Seit mehr als 25 Jahren ist das Verschwinden der damals 15-jährigen Katrin Konert aus Bergen an der Dumme im Landkreis Lüchow-Dannenberg ungeklärt. Anlässlich des internationalen Tags der vermissten Kinder am 25. Mai steht ihr Fall nun im Mittelpunkt der bundesweiten BKA-Kampagne „Spurlos Verschwunden“.
Katrin Konert wurde letztmalig am Neujahrsabend 2001 im Ortskern von Bergen gesehen. Die etwa 1,60 Meter große, schlanke Jugendliche hatte schwarz gefärbte, kinnlange Haare und trug eine schwarze Bomberjacke mit orangefarbenem Innenfutter, eine schwarze Cordhose, schwarze Stiefel sowie einen weißen Rollkragenpullover. An jenem Abend herrschte leichter, am Boden gefrierender Nieselregen.
Die Polizei ermittelt aufgrund der Gesamtumstände wegen eines vermutlichen Tötungsdelikts. Bereits 2018 hatte eine neu besetzte Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion den Fall in Kooperation mit der Operativen Fallanalyse des Landeskriminalamts Niedersachsen komplett neu aufgerollt. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, einen NDR-Podcast „Täter unbekannt“ sowie mehrwöchige Präsenz in Bergen mit Flugblatt-Aktionen und einem Infopunkt gingen mehr als 170 neue Hinweise bei den Ermittlern ein. Anfang 2019 durchsuchten die Ermittler daraufhin großflächig mehrere Waldstücke in der Region.
Kriminalhauptkommissarin Annegret Dau-Rödel, die seit Beginn der Ermittlungsgruppe federführend die Ermittlungen leitet, ist überzeugt: „Es gibt auch nach mehr als 25 Jahren Menschen, die noch nicht alles gesagt haben, was sie wissen oder wissen könnten. Dabei könnte es sich um mögliche Täter, Mitwisser wie auch potentielle Zeugen oder Hinweisgeber handeln.“
Ein besonders wichtiger Aspekt der aktuellen Ermittlungen betrifft einen anonymen Hinweis aus dem Jahr 2018. Nach diesem Hinweis über das BKMS-Portal gibt es eine weitere Person, die mit Katrin am Abend des 1. Januar 2001 gesprochen hat. Diese Person wollte Katrin nach eigenen Angaben nach Hause fahren, sie habe jedoch abgelehnt. Die Ermittler kontaktierten die Person, die den Kontakt bestätigte, jedoch blieben verschiedene Fragen offen. Trotz mehrerer Kontaktversuche kam mit dem anonymen Hinweisgeber kein weiterer Kontakt zustande. Die Polizei bittet diesen Anonymus eindringlich, sich erneut zu melden.
Die Ermittler fragen gezielt: Wem sind Bewohner oder Hundehalter am Nachmittag und Abend des 1. Januar 2001 in Bergen begegnet? Auch normale Alltagsbegegnungen mit Anwohnern, Nachbarn, Passanten, Hundehaltern oder Lieferanten sind von Interesse. Zudem sucht die Polizei nach Personen, die 2000/2001 zur Silvesterfeier in der Region waren und über Nacht bei Bekannten oder Verwandten geblieben sind.
Besonders wichtig sind Beobachtungen zu Besonderheiten oder Veränderungen bei Personen am Abend des 1. Januar 2001 oder danach: unerklärte Abwesenheiten, Verletzungen, Krankheit, verschmutzte oder beschädigte Fahrzeuge, Fahrzeugwechsel, -reparaturen oder -reinigung, plötzlicher Wegzug, Verhaltensänderungen, Beziehungsabbrüche, veränderter Alkohol- oder Drogenkonsum sowie Suizid oder Suizidversuche.
Die Polizeidirektion Lüneburg hat eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt. Die Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen bestimmt und nicht für Amtsträger, zu deren Berufspflichten die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört.
„Dabei geht es primär nicht um die strafrechtliche Aufklärung des Vermisstenfalls, sondern auch um Gewissheit für die Familie und das Umfeld von Katrin“, erklärt Kriminalhauptkommissarin Dau-Rödel. Die bundesweite BKA-Kampagne „Spurlos Verschwunden“ stellt insgesamt sechs Kinder und Jugendliche vor, die zwischen 1985 und 2021 in Deutschland verschwanden: Sven Hollstein, Sandra Wißmann, Katrin Konert, Inga Gehricke sowie Frieda und Alfons Schulz.
Allein 2025 registrierte die Polizei in Deutschland rund 108.900 Vermisstenfälle von Kindern und Jugendlichen. Die große Mehrheit kehrt nach kurzer Zeit wohlbehalten zurück, einige Fälle bleiben jedoch über Jahre ungeklärt. Weitere Informationen zur BKA-Kampagne finden sich unter www.bka.de/spurlosverschwunden.
Hinweise nimmt das Polizeikommissariat Lüchow unter Telefon 05841/122-0 oder per E-Mail an poststelle@pk-luechow.polizei.niedersachen.de entgegen.