Frauen bekommen Kredite teurer als Männer – das zeigt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Demnach zahlen Frauen beim Ratenkredit im Durchschnitt 6,77 Prozent Zinsen, während Männer mit 6,39 Prozent davonkommen. Der Unterschied mag klein wirken, doch er summiert sich bei einem Darlehen schnell zu erheblichen Mehrkosten auf.
Für die Analyse hat Verivox alle Ratenkredite untersucht, die im Juli 2026 über das Vergleichsportal abgeschlossen wurden. Das Ergebnis fällt in mehrerer Hinsicht zu Ungunsten von Frauen aus: Der durchschnittliche bewilligte Kreditbetrag für Frauen lag bei 14.382 Euro, Männer erhielten im Schnitt 17.509 Euro. Ein Unterschied von etwa 3.000 Euro. Noch deutlicher wird die Benachteiligung bei den Ablehnungsquoten: Banken lehnten Kreditanfragen von Frauen um 15 Prozent häufiger ab als diejenigen von Männern.
Doch warum ist das so? Alexandra Niessen-Ruenzi, Wirtschaftsprofessorin und Expertin für geschlechtsspezifische Unterschiede an den Finanzmärkten, sieht den Grund weniger in direkter Diskriminierung, sondern in wirtschaftlichen Realitäten: Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer und arbeiten häufiger in Teilzeitmodellen. Das führt dazu, dass Banken ihre Bonität – also ihre Kreditwürdigkeit – schlechter bewerten. Mit niedriger eingestufter Bonität steigt für die Banken das Risiko, dass ein Kredit nicht zurückgezahlt wird. Dieses erhöhte Ausfallrisiko kalkulieren die Institute durch höhere Zinsen ein.
Rechtlich verboten ist eine direkte Diskriminierung aufgrund des Geschlechts bei der Kreditvergabe. Banken dürfen ihre Entscheidungen nicht von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Religion oder Alter abhängig machen – zum Schutz verletzlicher Gruppen. Stattdessen sind sie verpflichtet, objektive Bewertungskriterien anzuwenden: das Einkommen, die Art des Arbeitsvertrags (befristet oder unbefristet) sowie externe Bonitätsbewertungen wie den Schufa-Score. Dieser Score wird anhand von zwölf Faktoren berechnet und gibt an, wie wahrscheinlich ein Zahlungsausfall ist.
Autor: dts Nachrichtenagentur