Die Lage in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ist nach Angaben eines internen EU-Sicherheitsberichts deutlich angespannter als bislang öffentlich dargestellt. Das Lagebild, aus dem die „Welt“ zitiert, beschreibt eine chaotische Situation mit alarmiertem Sicherheitspersonal und mehreren Tausend Migranten, die nicht zur Rückkehr bereit sind.
Der Report basiert auf Einschätzungen mehrerer Sicherheitsbehörden, darunter der EU-Grenzschutzagentur Frontex und der EU-Polizeibehörde Europol. Auch die EU-Kommission liegt das Dokument vor. Grundlage der Analyse sind Vor-Ort-Quellen, Satellitenbilder und Medienberichte. Zuletzt aktualisiert wurde der englischsprachige Bericht am Sonntag.
Besonders kritisch ist die Situation an der zentralen Aufnahmestelle CETI. Die Einrichtung war bereits vor der Krise mit nur 512 verfügbaren Plätzen überbelegt, muss nun aber etwa 1.800 Migranten bewältigen. Nach Beschreibung des Berichts haben sich die Migranten rund um die Aufnahmestelle positioniert und versuchen, „sich auf das Gelände hineinzuschmuggeln, wenn sich nur die kleinste Gelegenheit bietet“.
Auch außerhalb der zentralen Einrichtung bleibt die Situation „sehr kritisch“. Migranten halten sich überall in der Stadt und in den Außenbezirken auf. Wie viele Menschen sich tatsächlich in der knapp 90.000-Einwohner-Stadt aufhalten, ist umstritten. Das Lagebild nennt für Samstag eine Spanne von 8.000 bis 11.000 Menschen.
Ein großer Teil der Betroffenen sind Kinder und Jugendliche. Der Schutz von Minderjährigen hat daher Priorität, insbesondere wegen der Gefahr von Übergriffen. Behörden haben bereits 1.342 Minderjährige registriert und in Obhut genommen. Parallel wurden zwei Schulen eröffnet, darunter eine reine Mädchenschule für 110 Kinder.
Der Bericht lässt offen, ob es neben dem weitgehend ungehinderten Grenzübertritt auch eine politische Steuerung oder bewusste Instrumentalisierung der Migrationsbewegung gab.
Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachten die Sicherheitsbehörden den 15. August. Im Netz zirkulieren weiterhin Aufrufe, an diesem Datum massenhaft die Grenze zu „durchbrechen“ und nach Ceuta überzusetzen. Europol warnt im Bericht jedoch, dass das Datum auch als Ablenkungsmanöver dienen könnte; eine größere Migrationswelle sei ebenso kurz davor oder danach möglich.
Eine wichtige Rolle bei der Eskalation spielten soziale Netzwerke. Zahlreiche Migranten berichteten, dass Videos und Nachrichten etwa auf TikTok den Eindruck erweckten, die sonst streng gesicherte Grenze sei offen und Ceuta biete Unterkünfte für die Weiterreise aufs spanische Festland an. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen gab am vergangenen Wochenende Plattformen wie Meta und TikTok indirekt eine Mitschuld an der Krise. Nach einem Treffen mit Vertretern beider Unternehmen erklärte sie, diese hätten zu wenig gegen Falschinformationen getan.
Laut Sicherheitsbericht führte die zuständige Generaldirektion der EU-Kommission am 7. August ein Telefonat mit Meta und TikTok. Beide Konzerne hätten mittlerweile ihren Krisenmodus aktiviert und bearbeiten die Lage rund um Ceuta gemeinsam mit Faktencheckern vorrangig.
Autor: dts Nachrichtenagentur