Ein 22-jähriger Mann ist in Mühlheim am Main festgenommen worden, weil er mehrere tausend Euro bei einer Frau abholen wollte – Geld, das diese durch einen ausgefeilten Betrugschema verloren hatte. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt beantragte Haft, ein Richter am Amtsgericht Offenbach am Main ordnete am Dienstagvormittag die Untersuchungshaft an. Der Verdächtige sitzt nun in einer Justizvollzugsanstalt. Der Mann besitzt keinen festen Wohnsitz in Deutschland.
Die Ermittlungen zeigen ein perfides Betrugsmuster: Über Monate hinweg hatte die Mühlheimerin Geld an unbekannte Täter überwiesen. Diese gaben vor, ihr dabei zu helfen, in Aktien und Kryptowährungen zu investieren. Sie versprachen, sie würde von diesen Investitionen profitieren. Tatsächlich existierten die vermeintlichen Gewinne nie – es handelt sich um sogenannten Cybertrading-Betrug, eine Form des Anlagebetrugs im Internet.
Der entscheidende Moment kam am Montag, 13. Juli 2026: Um eine für die Transaktionen notwendige App reaktivieren zu können – so die Geschichte der Betrüger – sollte die Frau Bargeld übergeben. Bei dieser Übergabe nahmen Polizeibeamte den 22-Jährigen fest, der als Geldabholer fungierte.
Die Polizei warnt eindringlich vor dieser Masche. Die Betrüger nutzen gezielt soziale Medien wie Facebook und Instagram. Häufig setzen sie auch täuschend echte, künstlich erzeugte Videos ein – sogenannte Deepfakes –, in denen bekannte Persönlichkeiten scheinbar für dubiose Investments werben. Die Täter geben sich dann als professionelle Finanzberater aus und bauen systematisch Vertrauen auf. Über manipulierte Handelsplattformen zeigen sie Geschädigten scheinbare Gewinne, um sie zu weiteren Zahlungen zu bewegen.
Besonders tückisch: Der Betrug endet nicht mit dem ersten Schaden. Geschädigte werden später erneut kontaktiert. Angebliche Ermittler, Anwälte oder Behörden versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen – verlangen dafür aber erneut Gebühren.
Die Polizei empfiehlt, auf diese Warnsignale zu achten: unrealistisch hohe Gewinnversprechen, angeblich risikofreie Anlagen, Prominente, die für Investments werben, künstlicher Zeitdruck („nur heute verfügbar“), unaufgeforderte Kontakte durch angebliche Broker, Aufforderungen zur Installation von Fernzugriffssoftware und fehlende oder unklar angegebene Unternehmensangaben.
Konkrete Verhaltensempfehlungen der Behörden: Werbung kritisch überprüfen, keine Fernwartungssoftware installieren, keine sensiblen Daten wie Ausweiskopien oder Bankinformationen weitergeben, vor Investitionen unabhängige Beratung einholen und im Zweifelsfall keine Zahlungen leisten. Wer bereits betroffen ist oder Zweifel hat, sollte sich umgehend an die Polizei wenden. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Polizei Hessen zum Thema sicheres Online-Trading.