Die Grünen im EU-Parlament kritisieren die geplanten Ausnahmeregelungen beim neuen EU-Vernichtungsverbot für Retouren im Online-Handel. Das Verbot sei in der vorgesehenen Form löchrig und verliere an Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit, sagte die EU-Abgeordnete Anna Cavazzini, Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben).
Ab dem 19. Juli dürfen große Modeunternehmen und Versandhändler unverkaufte Kleidung, Schuhe und Modeaccessoires nicht mehr grundlos vernichten. Das Verbot ist Teil der Ökodesign-Verordnung der EU (ESPR).
Ein nachträglich beschlossener EU-Rechtsakt vom Februar enthält jedoch verschiedene Ausnahmeregelungen. Modeunternehmen dürfen Textilien weiterhin vernichten, wenn sie diese zur Spende angeboten haben, die Ware aber innerhalb einer Frist nicht angenommen wurde. Außerdem bleibt eine Vernichtung zulässig, wenn sie die Option mit den geringsten negativen Umweltauswirkungen darstellt.
Cavazzini forderte „klare Mechanismen gegen den Missbrauch von Ausnahmen, mit echter Überwachung und der Bereitschaft der Kommission, nachzusteuern, wenn diese systematisch ausgenutzt werden“. Grundsätzlich sei das Zerstörungsverbot aber wichtig.
Nach Schätzungen werden in Europa jedes Jahr zwischen 11 und 32 Millionen unverkaufte und zurückgesandte T-Shirts vernichtet. Jedes weggeworfene Kleidungsstück bedeute den Verlust wertvoller Ressourcen: Wasser, Energie, Rohstoffe, Arbeitskraft und handwerkliches Können, erklärte die EU-Parlamentarierin. Diese Verschwendung müsse gestoppt werden.