Identitätsdiebstahl im Netz: Wie Kriminelle gestohlene Daten zu Geld machen

Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein und der WEISSE RING warnen vor einer wachsenden Bedrohung: Identitätsdiebstahl im Internet. Kriminelle nutzen unrechtmäßig erlangte persönliche Daten anderer Menschen, um sie gewinnbringend als „digitales Kapital“ einzusetzen. Im Darknet werden komplette Datensätze mit Namen, Anschriften, Geburtsdaten, Telefonnummern oder Bankverbindungen meistbietend gehandelt – je umfangreicher ein Datensatz, desto größer die Möglichkeiten für Betrug und weitere Straftaten.

Kriminalhauptkommissar Henning Dibbern von der Zentralstelle Cybercrime im Landeskriminalamt erklärt die Methoden der Täter: Besonders häufig kommen sogenannte Phishing-Angriffe zum Einsatz. Dabei versenden Cyberkriminelle täuschend echt wirkende E-Mails, SMS oder Kurznachrichten über Messenger-Dienste, die angeblich von Banken, Paketdiensten, Online-Shops oder Behörden stammen. Ziel ist es, die Empfänger dazu zu bringen, Zugangsdaten, Passwörter, TANs oder Kreditkarteninformationen preiszugeben. „Das läuft häufig über Links, die man per E-Mail oder SMS zugeschickt bekommt“, sagt Dibbern.

Darüber hinaus gelangen persönliche Daten durch Datenlecks bei Unternehmen, Schadsoftware auf Computern oder Smartphones, gefälschte Internetseiten sowie über soziale Netzwerke in die Hände der Täter. Oft werden Informationen aus verschiedenen Quellen miteinander kombiniert, um vollständige Identitäten zu erstellen. „Man kann mit echten Daten quasi eine Person herstellen und im Namen dieser Person Straftaten begehen“, warnt Dibbern.

Zu den derzeit häufigsten Formen des Identitätsdiebstahls gehören Phishing-E-Mails und SMS mit gefälschten Internetseiten, die Übernahme von E-Mail- und Social-Media-Konten durch gestohlene Passwörter, Fake-Shops oder gefälschte Verkaufsplattformen, auf denen persönliche Daten abgegriffen werden, sowie Bestellungen oder Vertragsabschlüsse unter fremdem Namen.

Die Täter setzen gezielt auf psychologische Mechanismen: Sie erzeugen Zeitdruck, warnen vor angeblichen Sicherheitsproblemen oder versprechen attraktive Vorteile. Gleichzeitig wirken Nachrichten und Internetseiten durch kopierte Logos, Designs und Formulierungen seriös und authentisch. Hinzu kommt, dass viele Menschen eine Vielzahl digitaler Dienste nutzen und täglich zahlreiche Nachrichten erhalten. Dadurch fällt es zunehmend schwer, betrügerische Nachrichten von echten Mitteilungen zu unterscheiden. Wiederverwendete Passwörter oder unzureichend geschützte Benutzerkonten erleichtern den Tätern zusätzlich den Zugriff.

Die Folgen für Opfer sind erheblich. Gestohlene Identitäten können über einen langen Zeitraum missbraucht werden. Betroffene müssen Konten sperren lassen, Passwörter ändern, Strafanzeigen erstatten und ihre Bonität überprüfen. Nicht selten müssen sie nachweisen, dass sie abgeschlossene Verträge oder Bestellungen selbst nicht veranlasst haben. „Das Perfide ist auch, dass Daten als eine Art wiederverwertbarer Rohstoff gehandelt werden“, erklärt Dibbern. „Wir kennen Fälle, wo Daten gestohlen und Jahre später erneut für die Erstellung eines Fake-Accounts benutzt wurden.“

Neben dem organisatorischen Aufwand leiden viele Betroffene unter erheblicher psychischer Belastung. Das Gefühl, die Kontrolle über die eigenen persönlichen Daten verloren zu haben, führt häufig zu Verunsicherung und einem nachhaltigen Vertrauensverlust gegenüber digitalen Angeboten.

Ein kritischer Umgang mit digitalen Nachrichten und persönlichen Daten ist der wirksamste Schutz vor Identitätsdiebstahl. Das LKA empfiehlt: Geben Sie Passwörter, TANs oder Sicherheitscodes niemals auf Aufforderung per E-Mail, SMS oder Telefon weiter. Prüfen Sie Internetadressen sorgfältig und öffnen Sie Links nur, wenn deren Echtheit zweifelsfrei feststeht. Verwenden Sie für verschiedene Online-Dienste unterschiedliche, starke Passwörter und aktivieren Sie nach Möglichkeit die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Installieren Sie Sicherheitsupdates zeitnah auf allen Geräten. Seien Sie misstrauisch bei Nachrichten, die Zeitdruck erzeugen oder ungewöhnliche Forderungen enthalten. Kontrollieren Sie regelmäßig Kontoauszüge und Online-Konten auf unberechtigte Aktivitäten.

Wer vermutet, Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden zu sein, sollte unverzüglich Passwörter ändern, betroffene Konten gegebenenfalls sperren lassen und die jeweilige Bank oder den betroffenen Dienst informieren. „Auch wenn die Daten weg sind, ist nicht zwangsläufig ein finanzieller Schaden entstanden“, betont Dibbern. „Oft kann man den durch überlegtes Handeln verhindern.“ Dokumentieren Sie verdächtige Nachrichten und erstatten Sie Anzeige bei Ihrer örtlich zuständigen Polizeidienststelle oder über die Online-Wache der Landespolizei Schleswig-Holstein unter https://portal.onlinewache.polizei.de/de/

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