Heute, am 23. Mai, begehen die Vereinten Nationen den Internationalen Tag zur Beendigung von Geburtsfisteln. Dieser Gedenktag wurde 2012 von der UN-Generalversammlung ins Leben gerufen, um auf eine der verheerendsten und gleichzeitig vermeidbarsten Geburtsverletzungen aufmerksam zu machen, die Millionen von Frauen weltweit betrifft.
Geburtsfisteln sind abnorme Öffnungen zwischen der Vagina und der Blase oder dem Rektum, die durch längere, komplizierte Geburten ohne medizinische Hilfe entstehen. Diese Verletzungen führen zu unkontrolliertem Urinverlust oder Stuhlinkontinenz und machen betroffene Frauen oft zu sozialen Außenseiterinnen in ihren Gemeinden.
Nach Angaben des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) leben weltweit schätzungsweise über zwei Millionen Frauen mit unbehandelten Geburtsfisteln, vorwiegend in den ärmsten Ländern Afrikas und Asiens. Jährlich kommen etwa 50.000 bis 100.000 neue Fälle hinzu. Die meisten betroffenen Frauen sind sehr jung – oft Teenager – und stammen aus ländlichen Gebieten ohne Zugang zu qualifizierter Geburtshilfe.
Besonders dramatisch ist die Situation in Ländern wie Niger, Mali, Äthiopien und Bangladesch. Dort kombinieren sich frühe Eheschließungen, Mangelernährung und fehlende medizinische Infrastruktur zu einem perfekten Sturm, der Geburtsfisteln begünstigt. Dabei wären diese Verletzungen durch einfache Maßnahmen völlig vermeidbar: Zugang zu Familienplanung, qualifizierte Geburtshilfe und im Notfall Kaiserschnitte.
Rund um den heutigen Gedenktag organisieren Hilfsorganisationen weltweit Aufklärungs- und Spendenkampagnen. In betroffenen Ländern finden kostenlose Operationscamps statt, denn Geburtsfisteln sind in den meisten Fällen durch relativ einfache chirurgische Eingriffe heilbar. Die Weltgesundheitsorganisation und der UNFPA haben sich zum Ziel gesetzt, Geburtsfisteln bis 2030 als öffentliches Gesundheitsproblem zu eliminieren.
Neben dem Internationalen Tag zur Beendigung von Geburtsfisteln wird heute auch der Weltschildkrötentag begangen, der 2000 von der American Tortoise Rescue ins Leben gerufen wurde, um auf den Schutz dieser bedrohten Reptilien aufmerksam zu machen.