Deutschland muss deutlich mehr für Bildungsgerechtigkeit tun. Das zeigt der „Kinderreport 2026“, den das Deutsche Kinderhilfswerk am Dienstag gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) in Berlin vorgestellt hat.
Das Kinderhilfswerk sieht erheblichen Handlungsbedarf beim Thema Bildungsgerechtigkeit. Für eine Verbesserung der Bildungschancen insbesondere für Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien mehr finanzielle Mittel und umfassende Reformen im Bildungssystem notwendig.
Eine Forsa-Umfrage, die im Rahmen des Kinderreports durchgeführt wurde, zeigt eindeutige Ergebnisse: Sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche fordern einheitliche Bildungsstandards und vergleichbare Bildungsbedingungen in ganz Deutschland.
Zentrale Forderungen des Berichts sind kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Schule sowie der Ausbau qualifizierten Personals, um pädagogische Fachkräfte zu entlasten. Zudem wird eine stärkere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bildungsinstitutionen als wichtig erachtet. Besonders hervorgehoben wird die Notwendigkeit eines schnellen und verpflichtenden Zugangs geflüchteter Kinder zur Schule.
Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert konkret ein bundesweites Ausbauprogramm zur Schaffung von mindestens 400.000 Kita-Plätzen sowie eine Fachkräfteoffensive für die frühkindliche Bildung.
Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann erläuterte gegenüber der dts Nachrichtenagentur, dass der Bund die Möglichkeit habe, den Ländern mit Programmen unter die Arme zu greifen – gerade bei dem Thema Chancengerechtigkeit. Als Beispiel verwies Hofmann auf das Startchancenprogramm, wobei die Frage im Raum stehe, inwieweit dieses in der Breite auch wirke. „Das wird sich noch zeigen müssen, wie auch weitere Investitionen notwendig sind“, sagte er.
Auch beim Ausbau des Ganztags sei der Bund beteiligt. Es gehe nicht immer nur ums Geld, so Hofmann. Es gehe darum, dass was die Bildungslandschaft in Deutschland auszeichne, zu fördern. „Dazu zählt die Jugendarbeit, dazu zählen die außerschulischen Partner, die Stadtbibliotheken, das Ehrenamt in den Vereinen und hier müssen wir geschlossen agieren.“ Das werde eine große Aufgabe für alle Beteiligten – auch für die Zivilgesellschaft. „Und der Bund kann natürlich an solchen Stellen auch Signale setzen, kann Anregung auch geben, damit hier gute Praxis entsteht.“
Ministerin Prien stimmte im Kern zu. Es gebe eine „hohe Übereinstimmung“, sagte sie der dts Nachrichtenagentur. Auch sie verwies auf das Startchancenprogramm. Dabei gehe es zum Beispiel nicht nur um die Schulen, die im System seien, sondern auch darum, was auf andere Schulen übertragen werden könne. Der Ganztagsausbau könne unterdessen auch dazu beitragen, die Lage vor allem von Kindern mit besonderen Förderbedarfen anzusprechen.
Darüber hinaus gehe es auch um ein länger dauerndes Programm zur Förderung der Sprachkenntnisse, so Prien. „Und dann bin ich ehrlicherweise sehr froh, dass relativ unbeobachtet von der Öffentlichkeit es gelingt jetzt in den letzten Monaten, dass wir zwischen Bund und Ländern gemeinsam eine Roadmap verabschiedet haben.“ Dabei gehe es um die Schwerpunkte, um die Trendwende im Bildungssystem zu erreichen.
Sieben Felder seien identifiziert worden, wobei es unter anderem um die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung gehe, aber auch um die Verbesserung des „Wohlbefindens“ von Kindern und Jugendlichen an den Schulen. „Nur wer sich wohlfühlt in der Schule, kann auch gut lernen und wir wollen, dass alle Kinder besser lernen können“, so die Ministerin.