Kriegsdienstverweigerung: Anträge schießen in die Höhe

via dts Nachrichtenagentur

Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich angewachsen. Bis zum 30. Juni verzeichnete das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) 5.862 Anträge – bereits jetzt mehr als in einem ganzen Jahr 2025 mit 3.867 Anträgen. Damit übertrifft die aktuelle Quote sogar das Jahresaufkommen von 2011, als die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und 4.348 Anträge eingingen.

Die Anträge sind regelrecht in die Höhe geschnellt: Während im ersten Quartal noch 2.656 Verweigerungsanträge vorlagen, hat sich die Zahl bis Ende Juni mehr als verdoppelt. Dies teilte eine Sprecherin des BAFzA dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit.

Grund für den Anstieg ist die angespannte Sicherheitslage sowie das neue Wehrdienstgesetz, das am 1. Januar 2026 in Kraft trat. Dieses sieht vor, dass alle 18-jährigen Männer verpflichtend gemustert werden. Die Bundeswehr soll dadurch Freiwillige für ihren Ausbau rekrutieren. Derzeit verfügt die Truppe über 186.000 aktive Soldaten – bis 2035 sollen es 260.000 werden. Falls der Ausbau auf freiwilliger Basis nicht gelingt, behält sich insbesondere die Union die Möglichkeit einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor.

Grundsätzlich bleibt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen unabhängig von der Aussetzung der Wehrpflicht bestehen. Das Grundgesetz verankert dieses Recht in Artikel 4 Absatz 3. Die Wehrpflicht selbst ist zwar seit 2011 ausgesetzt, aber noch immer im Grundgesetz festgeschrieben.

Für einen gültigen Verweigerungsantrag sind laut Bundesamt folgende Unterlagen erforderlich: ein kurzes Anschreiben mit Unterschrift, ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf sowie eine ausführlich und persönlich verfasste Begründung. Erst wenn alle Dokumente vorliegen, kann das BAFzA über den Antrag entscheiden.

Autor: dts Nachrichtenagentur

» Weitere Deutschland News