Ein 13-jähriges Mädchen und ein 12-jähriger Junge haben sich gestern Abend im Bahnhof Helmstedt in akute Lebensgefahr begeben. Gegen 18:50 Uhr kletterten die beiden auf einen abgestellten Güterzug mit Kesselwagen. Kurz darauf setzte sich der Zug plötzlich in Bewegung und rollte mit den Kindern an Bord in Richtung Braunschweig.
Der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn und eine aufmerksame Bürgerin beobachteten die gefährliche Szene und alarmierten sofort die Bundespolizeiinspektion Hannover sowie das Polizeikommissariat Helmstedt. Nach etwa zwei Kilometern Fahrt wurde der Güterzug durch einen Nothalt zum Stehen gebracht. Die Bahnstrecke wurde beidseitig gesperrt.
Fünf Polizeibeamte des Polizeikommissariats Helmstedt entdeckten die beiden Kinder an Bord und verfolgten sie, als diese nach der Notbremsung über ein Feld zu fliehen versuchten. Sie stellten die Kinder und brachten sie zur Dienststelle. Kurze Zeit später trafen auch Bundespolizisten aus dem Bundespolizeirevier Braunschweig ein.
Nach Feststellung der Identitäten wurden die Kinder an ihre Erziehungsberechtigten übergeben. Gegen beide wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Trotz ihrer leichtsinnigen Aktion blieben beide unverletzt. Die Streckensperrung konnte um 19:30 Uhr aufgehoben werden, führte aber zu Beeinträchtigungen im Bahnverkehr.
Die Bundespolizeiinspektion Hannover nutzt den Vorfall, um vor den Schulferien auf die Gefahren an Bahnanlagen hinzuweisen. «Jeder Unfall im Bahnbereich ist dramatisch – und durch das Befolgen einiger einfacher Regeln zu vermeiden», sagt Polizeidirektor Martin Kröger, Inspektionsleiter der Bundespolizeiinspektion Hannover.
Der zentrale Grundsatz lautet: Bahnanlagen sind keine Spielplätze und dürfen nicht betreten werden. Züge können Hindernissen nicht ausweichen und benötigen Bremswege von bis zu 1.000 Metern. Trotz ihrer massiven Größe sind sie oft erst spät zu hören. ICE-Züge erreichen Geschwindigkeiten über 200 Stundenkilometer – das bedeutet, dass 100 Meter in weniger als zwei Sekunden durchfahren werden.
Ein weiteres, oft unterschätztes Risiko: Die Oberleitungen führen 15.000 Volt, das 65-fache einer haushaltsüblichen Steckdose. Bereits in einem Abstand von 1,5 Metern kann der Strom überspringen und tödlich wirken.
DB AG und Bundespolizei führen seit Jahren Aufklärungskampagnen in Kindergärten und Schulen durch. «Der Bedarf an Aufklärung ist nach wie vor groß. Daher geht unsere dringende Bitte an Eltern, Erziehungsberechtigte, Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter, junge Menschen über Gefahren an Bahnanlagen zu sensibilisieren», betont Kröger. Weitere Informationen finden sich unter www.bundespolizei.de/sicher-im-alltag/sicher-auf-bahnanlagen.