Liebesbetrug im Netz: Wie Betrüger in Schleswig-Holstein ihre Opfer manipulieren

(Symbolbild)

Mit erfundenen Identitäten und großen Gefühlsversprechen bringen Betrüger Menschen um hohe Geldbeträge. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnt vor der wachsenden Masche des „Love Scam“ – auch „Romance Scam“ genannt.

Die Betrugsweise funktioniert nach einem etablierten Muster: Die Täter erstellen gefälschte Profile mit gestohlenen Fotos auf Dating-Plattformen und sozialen Netzwerken. Sie schreiben zahlreiche potenzielle Opfer an – manche geben sich sogar als bekannte Prominente wie Peter Maffay oder Pierce Brosnan aus. Reagiert jemand auf die Nachricht, bauen die Betrüger in kürzester Zeit ein Vertrauensverhältnis auf, gefolgt von überschwänglichen Liebeserklärungen und ausführlichen Zukunftsplänen.

Der entscheidende Moment kommt, wenn die Täter eine vorgetäuschte Notlage inszenieren. Sie geben sich beispielsweise als Soldaten oder Ärzte in Kriegsgebieten aus, die keinen Zugriff auf ihr eigenes Konto haben. Oder sie behaupten, sterbenskranke Angehörige müssten dringend operiert werden. Die im Gefühl verblendeten Opfer sollen dann Geld per Western Union oder MoneyGram ins Ausland überweisen – oder auf inländische Konten, die angeblich Freunden oder Familienmitgliedern der Betrüger gehören.

Für das Jahr 2025 verzeichnet die Polizei Schleswig-Holstein in dieser Betrugskategie eine dreistellige Fallzahl im mittleren Bereich. Dunkelziffer deutlich höher: Viele Opfer erstatten aus Scham keine Anzeige.

Ein aktueller Fall zeigt, wie vielfältig diese Betrugsmasche sein kann. Eine 21-jährige Frau aus Braunschweig meldete sich bei der Polizei, nachdem sie auf einer Avatar-Chatplattform einem Mann begegnet war. Dieser hatte sie unter dem Vorwand einer Beziehung dazu gebracht, wiederholt Geld für technische Geräte wie einen E-Reader zu überweisen – ohne dabei eine echte Notlage vorzugeben. Die Ermittlungen führten zum Kommissariat K14 der Bezirkskriminalinspektion Kiel und offenbarten zwei deutsche Tatverdächtige aus Kiel: ein 31 Jahre alter Mann und eine 32 Jahre alte Frau. Gegen sie wurden insgesamt 114 Taten vorgeworfen, 56 davon gewerbsmäßig. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung stellten Beamte zahlreiche analoge und digitale Beweismittel sicher.

„Der Fall ist eher untypisch“, erklärt die sachbearbeitende Kripo-Beamtin. In der Regel handelt es sich bei Love-Scam-Tätern nicht um Einzelpersonen, sondern um gut organisierte Gruppierungen, die aus Callcentern in Westafrika, Osteuropa oder Südostasien heraus operieren. Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden Kieler eher als Trittbrettfahrer unterwegs waren.

Nicht immer geht es den Tätern nur um Geldsendungen. Häufig interessieren sie sich auch für persönliche Daten zur Fälschung von Ausweispapieren oder für die Bereitstellung von Konten für Geldtransfer und Zahlungsaufträge. Andere bitten ihre Opfer, Pakete zu versenden, die angeblich von einer dritten Person geliefert werden – deren Inhalt ist in der Regel mit einer gestohlenen Kreditkarte bezahlt. Das Weiterleiten ist illegal. Im schlimmsten Fall machen sich Opfer eines Love Scammers dabei selbst strafbar, ohne es zu wissen.

Die emotionalen Konsequenzen wiegen oft schwer: Neben dem finanziellen Schaden belastet der Verlust der Beziehung und des Vertrauens in das eigene Urteilsvermögen die Betroffenen. Scham, sozialer Rückzug, Depression und Stressreaktionen sind häufige Folgen. Der WEISSE RING bietet Opfern in solchen Fällen ehrenamtliche Unterstützung an – von menschlicher Ansprache über Hilfe in tatbedingten Notlagen bis zu Begleitung bei der Polizei oder vor Gericht.

Opfertelefon WEISSER RING: 116 006 (bundesweit, kostenfrei, anonym)

Informationen zur Erkennung von Love-Scammern und zum richtigen Verhalten im Verdachtsfall finden Interessierte unter www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/romance-scamming/

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