Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen hat eine eigene Software entwickelt, um Ermittler bei der Verfolgung von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern zu unterstützen. Anlässlich des Internationalen Kindertags am 1. Juni stellte die Behörde die technischen Hilfsmittel vor, mit denen große Datenmengen schneller ausgewertet werden können.
Die Hinweiszahlen der Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Allein dem LKA Niedersachsen wurden 2025 bisher 5.921 NCMEC-Hinweise übermittelt, nachdem es 2024 noch 6.338 und 2023 insgesamt 5.603 waren. Hinter jedem einzelnen Hinweis können tausende Dateien stehen, die geprüft, eingeordnet und gerichtsfest dokumentiert werden müssen.
„Der Internationale Kindertag erinnert uns daran, dass Kinder besonderen Schutz verdienen – überall dort, wo sie leben, lernen und kommunizieren“, betont Carsten Reinhardt, Dezernatsleitung für die Bearbeitung von Kinderpornografie. „Unser Auftrag als Landeskriminalamt ist klar: Wir verfolgen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen mit aller Konsequenz.“
Während die Fallzahlen in Niedersachsen 2025 in einzelnen Deliktsbereichen leicht rückläufig sind, bleiben die Anforderungen an die digitale Auswertung hoch. Bei Verfahren wegen der Verbreitung, des Erwerbs oder des Zugänglichmachens kinderpornografischer Inhalte gingen die Zahlen von 3.023 Fällen im Jahr 2024 auf 2.285 Fälle im Jahr 2025 zurück. Auch die Fälle des Besitzes kinderpornografischer Inhalte sanken im selben Zeitraum von 2.548 auf 2.267 Fälle.
Die vom LKA entwickelte Software besteht aus zwei Programmen: dem KiPo-Analyzer und dem Tracebook KiPo. Der KiPo-Analyzer kann pornografische Inhalte erkennen, zwischen Erwachsenenpornografie sowie Kinder- und Jugendpornografie unterscheiden und Datensätze so aufbereiten, dass Ermittler laufende Missbrauchsfälle schneller ausfindig machen können. Das Programm Tracebook KiPo dient zur Sichtung sowie Bewertung der durch den KiPo-Analyzer erzeugten Resultate. Die Software wird fortlaufend weiterentwickelt und ist inzwischen auch bei anderen Landeskriminalämtern im Einsatz.
„Die Technik ersetzt nicht die Bewertung durch Ermittler. Sie unterstützt sie“, erklärt Alexander Fläschner, Dezernatsleiter Data Solutions des LKA Niedersachsen. „Gerade angesichts wachsender Datenmengen ist digitale Unterstützung jedoch ein entscheidender Faktor. Unsere Arbeit kann dazu beitragen, dass Ermittler relevante Inhalte schneller finden und besonders schwere Fälle früher prüfen können.“
Die hohe Aufklärungsquote zeigt die Wirksamkeit der Ermittlungsarbeit: Im Jahr 2024 lag sie bei rund 95 Prozent, im Jahr 2025 sogar bei 97 Prozent. Ein wesentlicher Teil der Ermittlungsarbeit beginnt mit Hinweisen des NCMEC, die entstehen, wenn Anbieter digitaler Dienste verdächtige Inhalte feststellen und weiterleiten. Das Bundeskriminalamt erhält seit Jahren erheblich steigende Hinweiszahlen aus den USA – von etwa 14.500 Fällen im Jahr 2015 auf rund 205.700 Fälle im Jahr 2024.
Das LKA Niedersachsen appelliert an Bürger, bei der Feststellung entsprechender Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern im Internet richtig zu handeln: Die Inhalte nicht weiterleiten, nicht nach weiteren Inhalten suchen, keine mutmaßlichen Täter kontaktieren und keine Hinweise in sozialen Netzwerken verbreiten. Stattdessen sollen Fundort, Plattform, Nutzername, Link, Datum und Uhrzeit notiert und die örtliche Polizeidienststelle oder die Online-Wache kontaktiert werden.