Der geplante Staatseinstieg beim Panzerbauer KNDS droht zu scheitern. Nach Informationen des „Handelsblatt“ aus Industrie- und Regierungskreisen wollen die beiden Eigentümerfamilien ihre Anteile möglicherweise doch nicht an den Bund verkaufen.
„Es gibt tatsächlich die reale Gefahr, dass die Familien doch nicht an den Staat verkaufen wollen“, sagte ein Regierungsvertreter der Zeitung. Der Grund für das Umdenken liegt in der drastisch gesunkenen Bewertung des Unternehmens. Während die für den Börsengang beauftragten Banken zu Jahresbeginn noch mit einer Unternehmensbewertung von 20 bis 25 Milliarden Euro warben, liegt diese nach Angaben aus Regierungs- und Branchenkreisen derzeit nur noch bei knapp unter 15 Milliarden Euro.
Als Ursachen für den Wertverlust nennen Branchenkenner das schwierige Marktumfeld. Rüstungsaktien sind seit Jahresbeginn deutlich im Wert gesunken. Zusätzlich stören sich das Management und die Eigentümerfamilien an den weitreichenden Vetorechten, die die Bundesregierung für sich beansprucht.
Die Bundesregierung plant, 40 Prozent der Anteile an KNDS zu übernehmen und sich damit den gleichen Einfluss wie der französische Staat zu sichern. Das Unternehmen hätte jedoch nur 30 Prozent bevorzugt. Auch dies wird in Industriekreisen als Grund für die geringere Bewertung angeführt. Ein hoher Rüstungsmanager außerhalb des Unternehmens kritisiert, dass der Börsengang der verbliebenen 20 Prozent plus der weitgehenden Vetorechte Investoren „nur mit Abschlag zu verkaufen“ sei. Diese Sichtweise weist die Bundesregierung allerdings zurück.
Der ursprünglich für Juli angestrebte Börsengang könnte somit einen um Milliarden geringeren Erlös bringen als erhofft, was die Eigentümerfamilien zum Überdenken ihrer Verkaufspläne bewegt.