Strompreis in Deutschland: was ihn wirklich treibt
Je mehr Wind und Sonne einspeisen, desto billiger wird Strom an der Börse. Über 40 ausgewertete Tage hängen beide Größen sehr eng zusammen: Der Anteil erneuerbarer Erzeugung erklärt 83 Prozent der täglichen Preisschwankung.
Waagerecht steht der Anteil erneuerbarer Erzeugung, senkrecht der mittlere Börsenpreis. Orange markiert sind Tage, an denen der Preis zeitweise unter null fiel.
ohne negative Preisstundenmit negativen Preisstunden
Dunkelflaute gegen Überschuss
Dieselben Tage, aufgeteilt nach dem Anteil erneuerbarer Erzeugung. An Tagen mit wenig Wind und Sonne kostete Strom im Mittel 166,0 Euro je MWh, an Tagen mit viel 74,9 Euro — das 2,2-Fache.
Tage mit …
Anzahl
Ø Preis
Ø negative Stunden
höchste Spitze
unter 60 % Erneuerbaren
7
166,0
0,0
665,8
über 75 % Erneuerbaren
9
74,9
5,7
160,2
Dahinter steht die Merit-Order: An der Strombörse bestimmt immer das teuerste Kraftwerk den Preis, das noch gebraucht wird. Wind und Sonne haben fast keine Betriebskosten und verdrängen teure Gaskraftwerke. Fehlen sie, setzen die Gaskraftwerke den Preis für alle.
Der Wochentag ist ablesbar
Am Sonntag kostete Strom im Mittel 77,9 Euro je MWh, am Mittwoch 139,0 Euro. Am Wochenende ruht die Industrie, der Verbrauch sinkt.
Vorsicht bei der Deutung: Am Wochenende ist nicht nur der Verbrauch niedriger, sondern in diesem Zeitraum auch der Anteil erneuerbarer Erzeugung höher. Beides wirkt gleichzeitig — welcher Teil woher kommt, lässt sich aus 40 Tagen nicht trennen. Je Wochentag stehen nur 5 bis 6 Werte hinter dem Mittel.
Mittags am billigsten, abends am teuersten
An allen 40 Tagen lag die günstigste Stunde zwischen 11 und 16 Uhr — das ist die Photovoltaik. An 35 Tagen lag die teuerste Stunde zwischen 18 und 23 Uhr, wenn die Sonne weg ist, die Nachfrage aber noch hoch. Häufigste günstigste Stunde: 13 Uhr an 17 Tagen. Häufigste teuerste Stunde: 21 Uhr an 17 Tagen.
günstigste Stunde des Tagesteuerste Stunde des Tages
Was diese Auswertung nicht zeigt
Der Zeitraum umfasst erst 40 Kalendertage. Je länger die Reihe wird, desto belastbarer die Aussage.
Ausgewertet ist bislang nur die warme Jahreshälfte. Der Anteil erneuerbarer Erzeugung lag zwischen 53,5 und 81,6 Prozent, die Photovoltaik trägt den Mittag — im Winter kehrt sich dieses Bild um.
Kraftwerksausfälle und Netzengpässe treiben den Preis ebenfalls. Dazu liegen uns keine Daten vor; sie stecken in den Ausreißern, ohne dass wir sie auflösen könnten.
Ein Zusammenhang ist keine Ursache. Dass hier zusätzlich eine gut belegte Erklärung existiert — die Merit-Order —, macht den Fall ungewöhnlich klar, ersetzt den Nachweis aber nicht.
Preis, Erzeugungsmix und Außenhandel für den jeweils letzten abgerechneten Tag — jeden Morgen neu.
Datengrundlage: eigene Auswertung auf Basis der SMARD-Daten der Bundesnetzagentur. Preis = Tagesmittel des Day-Ahead-Großhandels. Diese Seite wird täglich neu berechnet.