Im Landkreis Goslar sind in den vergangenen Tagen erneut drei ältere Menschen Opfer von Trick- und Taschendieben geworden. Die Polizei warnt vor organisierten Banden, die nach einem durchdachten Schema vorgehen.
In einem Fall beobachtete eine 73-jährige Frau, wie Diebe in einem Seesener Supermarkt ihre über der Schulter getragene Handtasche öffneten und die Geldbörse entwendeten. Die Frau schrie um Hilfe – und die Reaktion war erfolgreich: Zwei Männer im Alter von 52 und 38 Jahren aus dem Landkreis Hannover wurden als Täter identifiziert und festgehalten.
In Goslar und Seesen gelang es Betrügern zwei weitere Male, unter Vorwänden in Häuser und Wohnungen zu gelangen. Sie stahlen in unbeobachteten Momenten Schmuck oder Bargeld und entkamen anschließend.
Stephan Reis, Leiter des Fachkommissariates für Betrugsdelikte bei der Polizei Goslar, erklärt die Arbeitsweise dieser Tätergruppen: „Die Täter agieren in den unterschiedlichen Deliktsfeldern arbeitsteilig. In Supermärkten nähert sich ein Täter dem Opfer und zieht geschickt die Geldbörse aus dessen Tasche, der zweite deckt die Handlung ab oder steht ‚Schmiere‘. Häufig wird das Diebesgut auch direkt an zweite oder dritte Personen der Bande weitergereicht.“
Mit den entwendeten Geldbörsen gelangen die Täter in vielen Fällen auch an Geld- oder Kreditkarten – die anschließend zu Geldabhebungen oder zum Einkaufen missbraucht werden.
Bei der sogenannten Zugangserschleichung in Wohnbereiche arbeiten die Täter immer zu mehreren. „Hierbei gewährt ein Täter oft in einem unbeobachteten Augenblick einem Komplizen den Zugang zur Wohnung, indem er beispielsweise die Wohnungstür angelehnt lässt“, erklärt Reis. „Der erste Täter lenkt das Opfer ab, während der zweite die Räume nach Geld und Schmuck durchsucht. Und leider stellen die Opfer erst lange nach dem Verschwinden der Täter den Diebstahl ihrer Wertsachen fest.“
Die Polizei gibt folgende Verhaltenstipps: Geld, EC- und Kreditkarten sowie wichtige Papiere sollten in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper getragen werden. Hand- und Umhängetaschen gehören verschlossen auf die Körpervorderseite oder unter den Arm geklemmt. Geldbörsen dürfen nicht oben in Einkaufstaschen, Körben oder Wagen liegen, sondern müssen körpernah getragen werden.
Für EC- und Kreditkarten gilt: Geheimzahlen auswendig merken und niemals notieren.
Die Polizei warnt zudem vor Betrügern, die angebliches Interesse an Sammlerstücken oder Pelzen zeigen – dies ist oft nur Vorwand, um Zugang zu Häusern zu erhalten. Fremde sollten grundsätzlich keinen Zutritt gewährt werden. Skeptische Wachsamkeit ist wichtiger als Höflichkeit.
Auch angebliche Handwerker oder Mitarbeiter von Telekommunikationsunternehmen sollten nicht ohne vorher vereinbarten Termin eingelassen werden. Haustürgeschäfte oder vermeintlich dringende Reparaturen sind häufig Betrugsmethoden.
Bei Verdacht oder Unsicherheit raten die Behörden, Nachbarn oder Familienmitglieder um Unterstützung zu bitten oder direkt die Polizei zu verständigen.