Die Kölner Polizei schlägt Alarm: Betrüger haben ihre Strategien angepasst und zocken gezielt ältere Menschen ab. Während aufmerksame Bürger in der Nacht zum 26. Juni mehrere Anrufe mit erfundenen Notfällen durchschauten, verzeichnen die Ermittler über die gesamte Woche verteilt eine hohe Anzahl gelungener Trickdiebstähle direkt an der Haustür. Neben bekannten Maschen wie dem falschen Handwerker nutzen die Täter jetzt offenbar neue Legenden.
Fake-Prüfer mit neuer Energie
Die dreisteste Masche: Ein Täter erschien am 22. Juni bei einer 89-Jährigen und gab vor, die Versicherung habe ihn zum Einbruchschutz-Check geschickt. Die Frau ertappte ihn dabei, wie er einen Wandschrank aufzuhebeln versuchte. Statt zu gehen, log er einfach weiter – die Versicherung zahle den Schaden ja. Dann verschwand er mit Schmuck und Bargeld.
Noch dreister: Ein anderer Täter gab sich bei einer 88-Jährigen als Polizist aus, erschien mit einer Sackkarre und behauptete, er müsse ihren Tresor abholen. Die misstrauische Seniorin weigerte sich, ihn zu öffnen. Am nächsten Tag kam ein zweiter falscher Polizist – und nutzte einen Telefonanruf, um die Frau abzulenken. Er öffnete den Safe und stahl Schmuck, Bargeld und eine Geldbörse. Ein Tag später versuchte der gleiche Täter die 89-jährige Schwester der Geschädigten mit identischer Masche zu bestehlen.
Missbrauch von echten Terminen
Die Betrüger werden noch raffinierter: Zwei Männer klingelten bei einem 87-Jährigen und behaupteten, die Rauchmelder überprüfen zu wollen. Der Senior schöpfte keinen Verdacht – er hatte nämlich tatsächlich ein Schreiben für eine Neumontage am 1. Juli erhalten. Während einer der Täter ihn in ein Gespräch verwickelte, klaubte der andere den Schmuck der verstorbenen Ehefrau zusammen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter gezielt nach Aushängen zu solchen Terminen Ausschau halten und diese zu ihren Gunsten nutzen.
Pizza-Bestellen mit fatalen Folgen
Bei einer besonders gemeinen Masche drangen zwei Frauen in die Wohnung eines 82-Jährigen ein, indem sie behaupteten, Bekannte von ihm zu sein. Sie bestellten eine Pizza. Als der Lieferant kam, sollte der Senior mit seiner EC-Karte zahlen. Die Frauen spielten Probleme mit dem Lesegerät vor. Eine von ihnen nahm die Karte, hielt sie selbst ans Gerät und ließ den Mann einfach die PIN eingeben. Nach dem Essen verschwanden sie mit der Karte. Innerhalb kurzer Zeit hoben sie einen vierstelligen Betrag ab.
Betrug durch erfundene Nachbarn
Bei einer 93-Jährigen klingelte eine Betrügerin und gab an, zu den spielenden Kindern im Nachbargarten wollen. Die Seniorin hielt sie für die Mutter und ließ sie rein. In der Wohnung täuschte die Frau plötzlich Unwohlsein vor und bat, die Toilette nutzen zu dürfen. Nach ihrem Verschwinden bemerkte die Geschädigte, dass Schmuck aus ihrem Schlafzimmer fehlte.
So schützen Sie sich
Die Polizei gibt konkrete Tipps: Lassen Sie grundsätzlich keine Fremden in die Wohnung. Holen Sie sich bei unbekannten Besuchern immer jemanden dazu – einen Nachbarn oder Angehörigen. Wichtig: Polizei und Versicherungen prüfen niemals unangekündigt den Einbruchschutz zu Hause. Im Zweifelsfall rufen Sie die entsprechende Behörde oder Firma unter einer Nummer an, die Sie selbst kennen – nicht unter einer Nummer, die der Anrufer nennt.
Geben Sie Ihre PIN niemals an Dritte weiter und lassen Sie Ihre Bankkarte bei Zahlungen kein zweites Auge verlieren. Sprechen Sie mit älteren Verwandten und Nachbarn über diese konkreten neuen Maschen. Beim geringsten Verdacht: sofort 110 wählen.
Hinweise zu den Taten nimmt das Kriminalkommissariat 25 unter 0221 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen.