Die Union ist in einer neuen Infratest-Umfrage auf ihren niedrigsten Wert seit Januar 2022 gefallen. CDU und CSU würden bei einer Bundestagswahl am kommenden Sonntag nur noch 23 Prozent der Stimmen erhalten – ein Prozentpunkt weniger als Anfang Mai. Die AfD behält mit unveränderten 27 Prozent ihre Position als stärkste Kraft.
Die SPD kann sich leicht auf 13 Prozent verbessern (+1), während die Grünen auf 14 Prozent fallen (-1). Die Linke bleibt unverändert bei 10 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) stagniert weiterhin bei 3 Prozent, die FDP ebenfalls unverändert bei 4 Prozent. Einen „Kubicki-Effekt“ kann Infratest damit – anders als andere Umfrageinstitute – derzeit nicht messen. Alle anderen Parteien kommen zusammen auf 6 Prozent.
Für die Erhebung hatte Infratest von Montag bis Dienstag dieser Woche 1.326 Wahlberechtigte befragt. Die Umfrage ist Teil des „ARD-Deutschlandtrends“.
Bei den Motiven für die Parteipräferenz geben 50 Prozent der Wähler an, ihre Entscheidung aus Überzeugung zu treffen, 46 Prozent wählen aus Enttäuschung über andere Parteien. Unter den Partei-Anhängern überwiegt einzig bei der AfD der Beweggrund der Enttäuschung: 57 Prozent äußern dieses Motiv.
Für die aktuelle Parteientscheidung ist für 74 Prozent das politische Programm entscheidend, 12 Prozent nennen die langfristige Bindung an die Partei und 10 Prozent das Spitzenpersonal als wichtigsten Grund. Bei Union und SPD spielt die langfristige Bindung eine größere Rolle als bei anderen Parteien: Bei den Unions-Anhängern nennen 63 Prozent das Programm, 24 Prozent die langfristige Bindung und 9 Prozent das Spitzenpersonal. Bei der SPD sind es 55 Prozent für das Programm, 35 Prozent für die langfristige Bindung und 7 Prozent für das Spitzenpersonal.
Mit der Arbeit der Bundesregierung sind aktuell nur 12 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden (-1), während 87 Prozent (+1) weniger oder gar nicht zufrieden sind.
Aus dem Bundeskabinett wird weiterhin Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am besten bewertet: 54 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden – 2 Punkte weniger als im Mai. Mit Außenminister Johann Wadephul (CDU) sind unverändert 30 Prozent zufrieden, 40 Prozent unzufrieden und 30 Prozent kennen ihn nicht oder trauen sich kein Urteil zu.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst erreicht 31 Prozent Zufriedenheit, ebenso viele sind mit ihm unzufrieden, 38 Prozent kennen ihn nicht oder trauen sich kein Urteil zu. Mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sind 21 Prozent zufrieden (-4 im Vergleich zu Mai), 58 Prozent unzufrieden (+7).
Bei Vize-Kanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) liegt der Zufriedenheitswert unverändert bei 21 Prozent, 63 Prozent sind unzufrieden. Mit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sind weiterhin 18 Prozent zufrieden, 58 Prozent unzufrieden und 24 Prozent kennen sie nicht oder trauen sich kein Urteil zu.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erreicht unverändert nur 16 Prozent Zufriedenheit, 82 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) liegt bei 15 Prozent Zufriedenheit (+3 im Vergleich zu Mai), 57 Prozent sind unzufrieden und 28 Prozent kennen sie nicht oder trauen sich kein Urteil zu.
Der neue FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki erreicht 21 Prozent Zufriedenheit, 50 Prozent sind unzufrieden und 29 Prozent kennen ihn nicht oder trauen sich kein Urteil zu. AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla kommt auf 19 Prozent Zufriedenheit (+1 im Vergleich zu April), 55 Prozent sind unzufrieden, 26 Prozent kennen ihn nicht oder trauen sich kein Urteil zu.
Die Linken-Vorsitzende Heidi Reichinnek erreicht 18 Prozent Zufriedenheit (+3 im Vergleich zu April), 43 Prozent sind unzufrieden und 39 Prozent kennen sie nicht oder trauen sich kein Urteil zu. Mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann sind 10 Prozent zufrieden (+3 im Vergleich zu April), 31 Prozent unzufrieden und 59 Prozent kennen sie nicht oder trauen sich kein Urteil zu.
Die hohen AfD-Zustimmungswerte beleben die Debatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Partei. 41 Prozent der Deutschen (+1 im Vergleich zu November 2025) favorisieren den Ausschluss jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD, 31 Prozent (+1) unterstützen eine Prüfung von Fall zu Fall, ein Viertel (24 Prozent, -1) eine gezielte Kooperationssuche.
Der CDU-Beschluss, Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen, stößt mittlerweile auf geteilte Meinungen: Jeweils 47 Prozent halten diesen grundsätzlichen Ausschluss für richtig (-13 im Vergleich zu September 2024) beziehungsweise falsch (+12). Unter den Partei-Anhängern äußern alle außer den AfD-Anhängern mehrheitliche Zustimmung zu dem Unvereinbarkeitsbeschluss.
Die CDU-Abgrenzung gegenüber der Linken findet in der Bevölkerung mehrheitlich keine Unterstützung: 33 Prozent finden das richtig (-8 im Vergleich zu September 2024), 56 Prozent falsch (+10). Von den CDU-Anhängern wird diese Haltung jedoch überwiegend mitgetragen: 51 Prozent finden die Abgrenzung ihrer Partei gegenüber der Linken richtig.