Der Vermisstenfall Katrin Konert aus Bergen (Dumme) im Landkreis Lüchow-Dannenberg wird am Mittwochabend erneut in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ thematisiert. Kriminalhauptkommissarin Annegret Dau-Rödel vom Kriminalermittlungsdienst Lüchow wird um 20:15 Uhr bei Moderator Rudi Cerne im Studio sein und über den aktuellen Sachstand der Ermittlungen sprechen.
Die damals 15-jährige Katrin Konert gilt seit dem Neujahrsabend 2001 als vermisst. Letztmalig wurde sie am 1. Januar 2001 im Ortskern von Bergen gesehen. Sie war etwa 1,60 Meter groß, schlank, hatte schwarz gefärbte, kinnlange Haare und trug eine schwarze Bomberjacke mit orangefarbenem Innenfutter, eine schwarze Cordhose, schwarze Stiefel sowie einen weißen Rollkragenpullover. Am Abend des Verschwindens herrschte leichter, am Boden gefrierender Nieselregen.
Die Polizei veröffentlicht einen neuen Hinweisbogen, mit dem bekannte Informationen und zeitliche Abläufe überprüft werden sollen. Der Bogen wurde in Zusammenarbeit mit dem International Cold Case Analysis Project (ICCAP) um Kriminaldirektor i.R. Karsten Bettels entwickelt. „Es muss jemanden geben, der weiß, was passiert ist“, appelliert Dau-Rödel. „Bitte machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie sich nach so vielen Jahren nicht mehr genau erinnern können. Unsere Ermittlerinnen und Ermittler sind darin geschult, Sie bei der möglichst genauen Erinnerung an Ereignisse zu unterstützen.“
Der Hinweisbogen besteht aus drei Abschnitten: Angaben zur Person des Hinweisgebers, Erinnerungen an Katrin oder Vermutungen über ihr Verschwinden sowie Fragen zum sozialen Umfeld. Ausgefüllte Bögen können per E-Mail an annegret.dau-roedel@polizei.niedersachsen.de oder poststelle@pk-luechow.polizei.niedersachsen.de gesendet werden. Eine anonyme Übermittlung ist möglich.
2018 hatte eine neu besetzte Ermittlungsgruppe den Fall in Kooperation mit der Operativen Fallanalyse des Landeskriminalamts Niedersachsen komplett neu aufgerollt. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, einen NDR-Podcast und eine mehrwöchige Präsenz in Bergen mit Flugblatt-Aktionen gingen mehr als 170 neue Hinweise ein. Anfang 2019 durchsuchten die Ermittler daraufhin großflächig mehrere Waldstücke in der Region.
Nach einem anonymen Hinweis über das BKMS-Portal gibt es eine weitere Person, die am Abend des 1. Januar 2001 mit Katrin gesprochen hat. Diese Person wollte Katrin nach eigenen Angaben nach Hause fahren, sie habe jedoch abgelehnt. Die Ermittler kontaktierten die Person, die den Kontakt bestätigte, jedoch blieben verschiedene Fragen offen. Der anonyme Hinweisgeber konnte trotz mehrerer Kontaktversuche nicht mehr erreicht werden.
Die Polizei ermittelt aufgrund der Gesamtumstände wegen eines vermutlichen Tötungsdelikts. „Dabei geht es primär nicht um die strafrechtliche Aufklärung des Vermisstenfalls, sondern auch um Gewissheit für die Familie und das Umfeld von Katrin“, erklärt Dau-Rödel.
Der Fall ist Teil der bundesweiten BKA-Kampagne „Spurlos Verschwunden“, die anlässlich des internationalen Tags der vermissten Kinder am 25. Mai gestartet wurde. Die Kampagne stellt sechs Kinder und Jugendliche vor, die zwischen 1985 und 2021 in Deutschland verschwanden: Sven Hollstein, Sandra Wißmann, Katrin Konert, Inga Gehricke sowie Frieda und Alfons Schulz. 2025 registrierte die Polizei rund 108.900 Vermisstenfälle von Kindern und Jugendlichen.
Die Polizeidirektion Lüneburg hat eine Belohnung von 10.000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt. Die Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen bestimmt. Über die Zuerkennung wird nach rechtskräftiger Erledigung der Strafsache unter Ausschluss des Rechtsweges entschieden.
Besonders interessiert sind die Ermittler an Begegnungen im Bereich Bergen am Nachmittag und Abend des 1. Januar 2001, auch „normale“ Alltagswahrnehmungen. Gesucht werden auch Personen, die zur Silvesterfeier in der Region waren und über Nacht bei Bekannten blieben. Aufmerksamkeit verdienen Besonderheiten bei Personen nach dem 1. Januar 2001 wie unerklärte Abwesenheiten, Verletzungen, beschädigte Fahrzeuge oder Verhaltensänderungen.