Top-Story der Woche
Tod des Freie-Wähler-Chefs Hubert Aiwanger
Zeit für eine erste Bilanz der Woche: Das bestimmende Ereignis der vergangenen Tage war der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger am Mittwochabend. Der Vorsitzende der Freien Wähler und bayerische Wirtschaftsminister wurde leblos im Berliner Hotel Neuer Fritz aufgefunden. Die Obduktion ergab keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden. Bayerns Digitalminister Fabian Mehring hatte Aiwanger am Mittag noch eine SMS geschrieben und nach einem gemeinsamen Essen gefragt. Kurz darauf wurde Mehring gebeten, krankheitsbedingt eine Veranstaltung für Aiwanger zu übernehmen. Ministerpräsident Markus Söder ordnete Trauerbeflaggung an und kündigte an, diese auch am Tag des Begräbnisses zu wiederholen. Die Entscheidung über Aiwangers Nachfolge steht noch aus.
Bundespolitik
Bundeskanzler Friedrich Merz wertete die bundesweiten Jugendproteste nicht als Anlass für eine Kurskorrektur. Regierungssprecher Stefan Kornelius teilte mit, der Kanzler sehe sich in seiner Politik bestärkt. Merz kündigte nach den Ausschreitungen am Rande der Demonstrationen ein konsequentes juristisches Vorgehen gegen Gewalttäter an. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verschärfte die Gangart und kündigte an, linksextreme und migrantische Demonstranten künftig gezielt zu überwachen. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich Merz für eine Frau aus. Am Freitag nominierten CDU und CSU die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, als gemeinsame Kandidatin. Die Bundesversammlung soll am 30. Januar entscheiden. Der Bundestag beschloss am Freitag eine Verschärfung der Strafen für den Einsatz von K.o.-Tropfen bei Sexual- und Raubdelikten. Union, SPD, Grüne und Linke stimmten dafür, die AfD enthielt sich.
Wirtschaft
Die Inflationsrate im Euroraum stieg im Oktober auf 4,0 Prozent nach 3,8 Prozent im September. Die Kerninflation verharrte bei 3,6 Prozent. In Deutschland plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche einen Preisdeckel für Kraftstoffe mit Ausnahmen und Einschränkungen. Grund sind die hohen Benzin- und Dieselpreise infolge des Irankriegs.
Der Autozulieferer Schaeffler kündigte ein weiteres Sparprogramm an. Insgesamt 3.460 Stellen in Europa sollen wegfallen, davon rund 2.660 in Deutschland. Rund 50 Prozent der Kürzungen betreffen die Produktion, 30 Prozent Forschung und Entwicklung und 20 Prozent indirekte Bereiche. Die Firmenpleiten in Deutschland blieben im Oktober auf Rekordhöhe. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle zählte 1.683 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften, ein Prozent mehr als im September und neun Prozent mehr als im Oktober 2025.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im September gegenüber August um 0,7 Prozent. Im Dreimonatsvergleich lag die Produktion im dritten Quartal allerdings um 0,4 Prozent niedriger als im zweiten Quartal. Die Bundesnetzagentur vergab Förderzuschläge für elf neue Reservekraftwerke mit einem Gesamtvolumen von rund 5.160 Megawatt reduzierter Leistung. Die EU-Kommission genehmigte die Übernahme der Mediamarkt- und Saturn-Muttergesellschaft Ceconomy durch die chinesische JD-Unternehmensgruppe unter Auflagen wegen staatlicher Subventionen.
Sicherheit und Bundeswehr
Deutschland und Großbritannien wollen ihre militärische Zusammenarbeit ausbauen. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting kündigte gemeinsame Forschung und Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz an. Die Bundesregierung und die Eigentümerfamilien des Panzerherstellers KNDS einigten sich auf eine vollständige staatliche Übernahme des Unternehmens. Das Bundesfinanzministerium teilte dem Haushaltsausschuss mit, man habe sich mit Wegmann auf den Erwerb von 50 Prozent der Anteile geeinigt. Generalleutnant Christian Freuding wird neuer Generalinspekteur der Bundeswehr. Der Inspekteur des Heeres wird im Februar 2027 General Carsten Breuer ablösen. Verteidigungsminister Boris Pistorius begründete die Entscheidung mit Freudings Erfahrung. Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Soldaten im Sanitätsregiment 1 in Weißenfels sind der Bundeswehr offenbar seit einem Jahr bekannt. Beim Wehrbeauftragten und im Verteidigungsministerium gingen in den vergangenen zwölf Monaten fünf Hinweise ein.
USA und Trump-Administration
Die Demokraten errangen bei den Zwischenwahlen in den USA einen doppelten Erfolg. Sie eroberten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und übernahmen auch die Kontrolle über den Senat mit mindestens 51 Sitzen. Der frühere Gouverneur Roy Cooper gewann in North Carolina einen Senatssitz von den Republikanern. US-Präsident Donald Trump wies die Verantwortung für die Wahlverluste zurück und schrieb auf Truth Social, er habe nicht auf dem Wahlzettel gestanden. Trump griff auch den Sender Fox News an. Der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte die Sorge, Trump werde sich nach der Wahlniederlage verstärkt der Außenpolitik zuwenden und dort aggressiver vorgehen. Die USA führten am Vorabend der Kongresswahlen neue Angriffe gegen iranische Ziele in der Nähe der Straße von Hormus durch. Die Arbeitslosenrate in den USA sank im Oktober von 4,2 auf 4,1 Prozent. Amerikanische Unternehmen schufen rund 165.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft.
Ukraine und Russland
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte am Dienstag Berlin und wurde von Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt empfangen. Im Mittelpunkt stand die deutsche Unterstützung der ukrainischen Verteidigung. Merz betonte, dass Europa bei Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende eine zentrale Rolle spielen müsse. Der Nationale Sicherheitsrat befasste sich unter Leitung von Merz mit den Verteidigungsplanungen der Nato und dem deutschen Beitrag zur Gesamtverteidigung. Bundeskanzler Merz telefonierte in der Nacht zum Freitag mit US-Präsident Donald Trump. Regierungssprecher Stefan Kornelius bestätigte, Schwerpunkt des Gesprächs sei der Ukraine-Krieg gewesen. Der Bundeskanzler sei in die Überlegungen des US-Präsidenten eingebunden.
Weitere internationale Ereignisse
In Krakau ereignete sich am Samstag eine Schießerei auf dem Marktplatz. Ein Mann fuhr gegen 15 Uhr mit einem Auto auf den Markt und schoss wahllos auf Menschen. Nach Angaben der Polizei wurden mindestens fünf Menschen erschossen, etwa ein Dutzend wurden verletzt. Polizisten erwiderten das Feuer und töteten den Täter. In Paraguay enthob der Senat Präsident Santiago Pena wegen eines Bankenskandals des Amtes. Der bisherige Vizepräsident Pedro Alliana wurde zum neuen Staatschef ernannt und versprach, die Betroffenen des finanziellen Zusammenbruchs vollständig zu entschädigen. In Kalifornien kündigte Gouverneur Gavin Newsom an, alle 548 im Bundesstaat verhängten Todesurteile in lebenslange Freiheitsstrafen umzuwandeln. Es wäre die größte Massenumwandlung von Todesurteilen in der modernen US-Geschichte. In Frankreich demonstrierten am Donnerstag rund 270.000 Menschen gegen die aktuelle Lohnpolitik. Der Gewerkschaftsbund CGT berichtete von Aktionen in über 70 Städten. Die EU-Kommission bescheinigte Montenegro bemerkenswerte Fortschritte auf dem Weg zum EU-Beitritt. Das Land könnte die verbleibenden Kapitel bis Ende des Jahres vorläufig abschließen. Am Donnerstag gab es erneut eine Serie von Bombendrohungen gegen europäische Fluggesellschaften. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet oder von Luftwaffeneinheiten begleitet.
Polizeimeldungen der Woche
Die Woche verzeichnete eine Reihe von Messerangriffen: In Bremen-West wurde ein Mann mit Messerstichverletzungen attackiert, in Mannheim griff ein Unbekannter einen 24-Jährigen an, in Lünen wurde ein Mann nach Messerstichen schwer verletzt, in Kirchheim wurde ein 14-Jähriger bei einem Streit verletzt und am Krefelder Hauptbahnhof wurden vier Männer verletzt, eine Festnahme erfolgte. Bei Gewalt gegen Frauen gab es mehrere Vorfälle: In Schmallenberg wurde eine Frau bei einem Streit durch ein Holzscheit am Kopf verletzt, in Frankfurt-Ginnheim schlug ein Mann eine Frau und beleidigte sie wegen ihrer sexuellen Orientierung, am Bahnhof Höchst wurde eine Frau attackiert und bestohlen, eine Frau wurde nach Schüssen auf ihren Lebensgefährten in Untersuchungshaft genommen. In Hamburg nahm die Polizei bei einem Schwerpunkteinsatz der Soko Kinesis ein führendes Mitglied der Hells Angels fest. Der Einsatz richtete sich gegen illegalen Waffenbesitz. Die Europäische Staatsanwaltschaft zerschlug ein kriminelles Netzwerk, das durch grenzüberschreitenden Umsatzsteuerbetrug beim Import und Verkauf von Luxusautos tätig war. Mehr als 900 Einsatzkräfte in Österreich, Kroatien, Tschechien, Deutschland und Polen waren beteiligt. Am Freitagnachmittag stürzte ein Kleinflugzeug auf die Autobahn A2 bei Magdeburg und ging in Flammen auf.
Timmy der Wal
Timmy der Wal ist seit Mitte April vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen weiter, der Wal ist am gleichen Ort, sein Zustand wird täglich beobachtet. In der vergangenen Woche gab es keine neuen Entwicklungen.
Kultur und Sport
Der Kinderbuchautor Janosch starb am Dienstag im Alter von 95 Jahren. Er war vor allem für illustrierte Kindergeschichten wie „Oh, wie schön ist Panama“ bekannt. Der FC Bayern verlängerte den Vertrag mit Harry Kane bis zum 30. Juni 2029. Der englische Nationalspieler erzielte seit seinem Wechsel im Sommer 2023 in 161 Pflichtspielen 156 Tore. Cristiano Ronaldo kündigte seinen Rücktritt aus der portugiesischen Nationalmannschaft an. Der 41-Jährige erklärte, nach der Länderspielpause im November werde er das Trikot mit der Nummer 7 zurückgeben. In Berlin begannen am Montag die Koalitionsverhandlungen von Linken, Grünen und SPD nach der Wahl. Das ZDF kündigte auf einer Betriebsversammlung eine umfassende Strukturreform an und will massiv in Streaming investieren.
Weitere Stories der Woche
Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass die Zahl der Privathaushalte in Deutschland bis 2050 sinken wird. Die Lebenserwartung in Deutschland ist 2025 weiter gestiegen, allerdings mit regionalen Unterschieden. Männer verzeichneten in allen Bundesländern Zugewinne, Frauen hingegen mussten in einigen Regionen Rückgänge hinnehmen. Das Bundesarbeitsministerium rechnet zum 1. Juli 2027 mit einer Rentenerhöhung um 4,09 Prozent. Der EU-Klimawandeldienst Copernicus teilte mit, dass 2026 voraussichtlich die Marke von 1,5 Grad globaler Erwärmung überschreiten wird. Es wäre das zweite Jahr nach 2024. Union und SPD planen eine Reform des Nachrichtendienstrechts und wollen dem BND heimliche Wohnungsbetreten erlauben. Die Union prüft zusätzliche Einnahmen durch eine Ausweitung der Alkopop-Steuer auf Mixgetränke bis zu einem Alkoholgehalt von 15 Volumenprozent. Der Arbeiter-Samariter-Bund warnt vor der Streichung von Rettungswagen nach der Notfallversorgungsreform. Das DIW rechnet vor, dass der Unions-Vorschlag zur Frührente Frauen massiv benachteiligen würde.
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