Welt & Deutschland: Erste Bilanz der Woche 31.–05.09.2026 (KW 36)

Top-Story der Woche

Sabotage-Serie gegen deutsche Stromnetze

Zeit für eine erste Bilanz der Woche: Eine Serie von Angriffen auf deutsche Energieanlagen hat die Sicherheitsbehörden alarmiert. In Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wurden Umspannwerke attackiert, in Bergheim fand die Polizei sechs Abschussvorrichtungen in einem Maisfeld. Das Bundeskriminalamt verzeichnete bis Ende August mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle in diesem Jahr. Am Freitag gingen bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwei Bekennerschreiben ein, in denen sich der Verfasser zu mehreren Kurzschlüssen bekennt und diese mit dem Kampf gegen Kohleenergie begründet. Die Ermittler entdeckten am Freitag ein Fahrzeug des 48-jährigen Tatverdächtigen aus Gevelsberg am Hambacher Forst und halten die handschriftlichen Schreiben für authentisch.

Das Bundesinnenministerium sieht die kritische Infrastruktur in Deutschland in erheblicher Gefahr. Das Wirtschaftsministerium kündigte an, die Stromnetze gegen Sabotage und Extremwetter schützen zu wollen. Konkret prüft das Ministerium ein Beleihungsmodell, bei dem private Betreiber sensibler Anlagen stärker in die Gefahrenabwehr eingebunden werden könnten, während der Bund die Aufsicht behielte.

Bundespolitik

Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine Einkommensteuerreform mit einem Entlastungsvolumen von zehn Milliarden Euro. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil begründete die Reform damit, dass Familien mit Kindern finanziell unterstützt werden sollen. Die Unionsfraktion im Bundestag kündigte an, den Gesetzentwurf während der parlamentarischen Beratungen nachbessern zu wollen. Fritz Güntzler, finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, betonte, dass Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zentrale Anliegen sein müssten. Der Bundesrechnungshof kritisierte Klingbeil vor Beginn der Etatberatungen und warf der Bundesregierung vor, falsche Weichenstellungen in der Haushaltspolitik vorzunehmen. Eine durchgreifende Konsolidierung der Bundesfinanzen finde nicht statt.

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte bei einem Besuch in Quedlinburg an, potenzielle AfD-Wähler aktiv für die Union gewinnen zu wollen. Es gebe zu den Wählern in Sachsen-Anhalt keine Brandmauer, erklärte Merz zur Unterstützung des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze. Merz absolvierte am Donnerstag seinen zweiten Wahlkampftermin in Sachsen-Anhalt, erneut ohne öffentliche Teilnahme. Das ZDF-Politbarometer zeigt wenige Tage vor der Landtagswahl Zugewinne für die AfD, die bei 41 Prozent liegt. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hält sich die Frage offen, ob er bei einer absoluten Mehrheit das Amt des Ministerpräsidenten anstreben wird.

Wirtschaft

Die Inflationsrate in Deutschland stieg im August auf 2,9 Prozent, nachdem sie im Juli noch bei 2,8 Prozent gelegen hatte. Besonders die Energiepreise treiben die Teuerung nach oben. Sie sind gegenüber August des Vorjahres um 10,5 Prozent gestiegen. Im Euroraum zog die Inflation ebenfalls an und erreichte im August voraussichtlich 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im Juli. Die Kerninflation sank dagegen von 2,5 auf 2,4 Prozent. Der Ifo-Preiserwartungsindex sank im August auf 21,2 Punkte nach 21,6 Punkten im Juli, was auf einen leicht nachlassenden Preisdruck in den kommenden drei Monaten hindeutet. Allerdings sind die Preise für Erdöl und Erdgas seit Anfang August gestiegen.

Die deutsche Industrie erhielt im Juli 2,5 Prozent mehr Aufträge als im Juni. Ohne Großaufträge fiel der Auftragseingang allerdings um 1,3 Prozent. Deutsche Unternehmen geben 2025 durchschnittlich 9,3 Prozent ihrer Investitionen für Klimaschutzmaßnahmen aus. Für 2026 planen sie 10,6 Prozent, für 2027 dann 10,5 Prozent. Gerome Wolf vom Ifo-Institut kritisierte diese marginale Steigerung. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnte, dass eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt der Wirtschaft des Bundeslandes massiven Schaden zufügen könnte. Bei einer gegen Migration gerichteten Politik könnte Sachsen-Anhalt in der nächsten Legislaturperiode Tausende Arbeitskräfte verlieren.

Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG stimmte am Donnerstag einem umfassenden Sanierungskonzept des Vorstands einstimmig zu. Im Zentrum des Zukunftsplans steht die Transformation des Konzerns. Zuvor war ein Kompromissversuch im Streit über den radikalen Sparplan von Konzernchef Oliver Blume gescheitert. Eon-Chef Leonhard Birnbaum rechnet mit steigenden Erdgaspreisen als Folge des Irankriegs, da Europa seinen Gasbedarf vermehrt über den kurzfristigen Spotmarkt für verflüssigtes Erdgas decken muss. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sprach bei der Vorstellung des Ernteberichts von einer Krise nationaler Tragweite. Deutsche Bauern seien mit mehreren schwerwiegenden Problemen gleichzeitig konfrontiert, die ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen.

Sicherheit und Bundeswehr

Die Bundesregierung hat Russland offiziell für den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig Anfang August verantwortlich gemacht. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Täter Drohnen, Sprengstoff und Zündtechnik einsetzten, die aus anderen russischen Sabotageaktionen bekannt sind. Deutsche Ermittler verfolgen Spuren nach Polen und Serbien sowie mögliche Verbindungen zu russischen Geheimdiensten. Die Behörden haben mehrere Tatverdächtige mit Verbindungen nach Russland identifiziert. Bei einem handelt es sich um einen 63-jährigen polnischen Staatsbürger, der zweite ist ein 40-jähriger Serbe.

Die Bundesregierung plant, die Ukraine künftig mit deutlich mehr Geheimdienstinformationen zu unterstützen. Im Kanzleramt wird erwogen, dass der Bundesnachrichtendienst der Ukraine sogenannte Targeting-Daten zur Verfügung stellt, also exakte Zielkoordinaten für Raketen- oder Drohnenangriffe gegen Russland. Nach einem mutmaßlichen Anschlag mit Brandsätzen auf eine Baustelle des Technologiekonzerns Rohde & Schwarz in München sitzen zwei bulgarische Staatsangehörige in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft erhob Anklage gegen zwei mutmaßliche Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe Letzte Verteidigungswelle. In den vergangenen fünf Jahren hat es bei den Polizeibehörden des Bundes 33 Disziplinarverfahren wegen abhanden gekommener Dienstwaffen gegeben, 30 davon bei der Bundespolizei.

USA und Trump-Administration

Das US-Militär griff am Montag iranische Positionen auf der Insel Larak in der Straße von Hormus an. Es handelt sich um die erste Militäraktion seit einer wochenlangen Feuerpause im Iran-Krieg. Am Dienstag bestätigte US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe auf Ziele im Iran. Die Militäraktion erfolgte als direkte Reaktion auf Anschläge der iranischen Revolutionsgarde auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus sowie auf US-Truppen in der Region. Der aktuelle Schlagabtausch ist bereits der zweite innerhalb weniger Tage.

Die Arbeitslosenquote in den USA blieb im August bei 4,1 Prozent stabil. Die absolute Zahl der Arbeitslosen stieg von 6,9 Millionen im Juli auf 7,0 Millionen im August. Amerikanische Unternehmen bauten im August rund 162.000 neue Arbeitsplätze auf.

Ukraine und Russland

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Streitkräfte angewiesen, die Angriffe auf Kiew für 72 Stunden ab Mitternacht zum 6. September einzustellen. Die Anordnung steht in direktem Zusammenhang mit dem geplanten Besuch der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in der ukrainischen Hauptstadt. Bundeskanzler Friedrich Merz telefonierte am Mittwoch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und unterrichtete ihn über die Ergebnisse der Untersuchung zum Angriff auf den Leipziger Flughafen. Merz bekräftigte gegenüber Selenskyj die volle deutsche Unterstützung.

Russland kündigte die Schließung der Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk an. Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete dies als direkte Reaktion auf die Schließung des Russischen Hauses in Berlin durch die Bundesregierung. Putin griff Bundeskanzler Merz bei einem Besuch in Kirgisistan scharf an und warf ihm vor, nicht die Interessen der deutschen Bürger zu schützen. Die Bundesregierung plant keine Gegenmaßnahmen auf die Goethe-Institut-Schließung. Bundesaußenminister Johann Wadephul verteidigte die neuen Russland-Sanktionen als gerechtfertigte Reaktion auf die aggressive russische Politik.

Weitere internationale Ereignisse

Die verheerende Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China forderte bis Montag 903 bestätigte Todesfälle in Nepal und 16 auf chinesischer Seite. Die Bundesregierung prüft Hilfen für Nepal, das spezialisierte Unterstützung angefordert hat. Besonders dringend werden Geräte zur Identifizierung und Aufbewahrung von sterblichen Überresten benötigt.

Die Weltorganisation für Meteorologie warnte am Donnerstag, dass sich das Wetterphänomen El Niño in den kommenden Monaten zu einem sehr starken Ereignis intensivieren könnte. Grund sind die außergewöhnlich warmen Bedingungen im tropischen Pazifik. Der Deutsche Wetterdienst beschrieb den Sommer 2026 als einen der wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen in Deutschland. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 19,6 °C lag der Sommer um 3,3 Grad über dem langjährigen Mittel. Ein griechisches Militärflugzeug vom Typ F-4 Phantom stürzte am Samstagnachmittag während einer Flugshow in Tanagra ab. Das Unglück ereignete sich kurz vor 15 Uhr und wurde von Tausenden Besuchern beobachtet. Nach den tödlichen Schüssen bei einer Techno-Party in Aarau nahm die Schweizer Polizei einen 43-jährigen Schweizer fest.

Polizeimeldungen der Woche

In mehreren Städten kam es zu Messerangriffen: Am Bahnhof Rosenheim wurde eine 31-Jährige getötet, der Verdächtige befindet sich in einer psychiatrischen Klinik. In Elmshorn erlitt ein Mann schwere Verletzungen, in Sulzfeld griff ein 37-Jähriger seine Mutter an und wurde festgenommen. In Leverkusen-Schlebusch wurde ein Verdächtiger nach einem tödlichen Messerstich gefasst. Am Nordbahnhof nahm die Bundespolizei einen Tatverdächtigen nach einem Messerangriff fest. In Braunschweig führte die Polizei eine Großkontrolle gegen illegale Waffen und Messer im öffentlichen Nahverkehr durch.

Bei Gewalttaten gegen Frauen registrierte die Polizei mehrere Vorfälle: In Erkner wurde eine Frau tödlich verletzt, ein Mann wurde festgenommen. In Hamm erlitt eine Frau bei einem Fahrradunfall lebensbedrohliche Kopfverletzungen. Im Cuxland wurden bei zwei Verkehrsunfällen drei Frauen und ein Mann verletzt. In Freiburg wurde eine Frau an einer Straßenbahnhaltestelle grundlos angegriffen. In Lüdenscheid schlugen eine Frau und ein Mann bei einem Polizeieinsatz auf Beamte ein.

In Hattingen wurde ein 54-Jähriger mit einer Axt im Kopf gefunden und schwebt in akuter Lebensgefahr. Die Polizei nahm den Bruder des Opfers fest. Eine Jury in Las Vegas sprach einen früheren Gangboss des Mordes an US-Rapper Tupac Shakur schuldig, knapp drei Jahrzehnte nach dem tödlichen Anschlag im September 1996.

Timmy der Wal

Timmy der Wal ist weiterhin vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen seit Mitte April 2026, der Wal ist am gleichen Ort, sein Zustand wird täglich beobachtet. Die Behörden setzen ihre Bemühungen fort, eine Lösung für die Rettung des gestrandeten Tieres zu finden.

Kultur und Sport

Lionel Messi hat nach 21 Jahren sein Karriereende in der argentinischen Nationalmannschaft bekannt gegeben. Der 39-jährige Weltmeister erklärte am Montag, dass er nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen sei, dass nun der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt gekommen sei. Die Entscheidung sei ihm schwergefallen, betonte Messi. Der frühere Olympiasieger im Kanu Ronald Rauhe wird neuer Staatsminister für Ehrenamt und Sport im Bundeskanzleramt. Der 44-Jährige tritt die Nachfolge von Christiane Schenderlein an, die vor der Sommerpause überraschend abberufen wurde.

Im DFB-Pokal setzte sich Borussia Dortmund mit 5:0 gegen den Hamburger Fünftligisten HEBC durch. Der FC Bayern München gewann gegen den Zweitligisten VfL Osnabrück mit 4:1. In der Bundesliga besiegte der VfB Stuttgart den 1. FC Köln mit 4:1. In der 2. Bundesliga verschenkte der VfL Wolfsburg eine 3:0-Führung gegen Energie Cottbus und musste sich mit einem 4:4 begnügen.

Weitere Stories der Woche

Das Bündnis Sahra Wagenknecht in Thüringen verlor zehn Landtagsabgeordnete, die aus der Partei austraten, aber zunächst in der Fraktion verbleiben wollen. Ministerpräsident Mario Voigt will die Koalitionsregierung mit den drei BSW-Ministern im Kabinett fortsetzen. Eine Hackergruppe veröffentlichte am Samstag fast sechs Terabyte an Daten der Berliner Landesverwaltung im Darknet. Das Paket umfasst 1.439.893 Dateien und enthält hochsensible Informationen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner räumte ein, dass beim Hackerangriff offenbar sensible Daten abgeflossen sind. Am Terminal 1 des Flughafens BER löste die Bundespolizei am Donnerstagabend einen Gefahrgut-Alarm aus, nachdem sich eine Frau selbst gemeldet und angegeben hatte, eine bestimmte Substanz dabei zu haben. Das Terminal wurde gegen 17:45 Uhr evakuiert und gegen 20:45 Uhr wieder freigegeben. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann kündigte eine neue Verordnung an, die ab November die Anerkennung ausländischer Mediziner und Apotheker erheblich vereinfachen soll.