Stand 17:05 Uhr: Für Brandenburg gilt in den kommenden 6 bis 12 Stunden ein HOHES Gewitterrisiko. Der Instabilitätsindex liegt aktuell bei 8 von 10 – das ist konvektiv kritisches Terrain. Bis etwa 20:00 Uhr bleibt die Lage noch vergleichsweise ruhig, doch mit dem Absinken der Sonne und dem Zusammenspiel aus aufgeheizter Grenzschicht und feuchter Luftmasse steigt die Wahrscheinlichkeit für einzelne, teils kräftige Gewitter deutlich an. Besonders der Westen und die Mitte Brandenburgs, wo tagsüber die stärkste Erwärmung stattgefunden hat, sind bevorzugte Entstehungsgebiete. Der Wind weht mit 21 km/h und erreicht dabei bereits Böen von bis zu 40 km/h – exakt der Schwellenwert, ab dem in Kombination mit der hohen Feuchte ein erhöhtes Potenzial für rotierende Aufwinde besteht. Hagel in der Größe bis etwa ein Zentimeter Durchmesser ist nicht ausgeschlossen. Wer sich aktuell im Freien aufhält, sollte die Wetterentwicklung aktiv beobachten.
Die meteorologische Grundlage für diese Einschätzung ist eindeutig: Eine Temperatur-Taupunkt-Differenz von nur 5,1°C zeigt an, dass die Luft bereits stark mit Wasserdampf gesättigt ist – je kleiner dieser Wert, desto weniger Energie wird benötigt, damit aufsteigende Luft kondensiert und Gewitterzellen sich aufbauen. Gleichzeitig liegt die relative Luftfeuchte bei 75 %, was die Kondensationsbasis sehr tief ansetzt und damit tief ansetzende, kompakte Gewitterzellen begünstigt. Der Instabilitätsindex von 8 von 10 entspricht in der Praxis einem erheblichen konvektiv verfügbaren Energievorrat – vereinfacht gesagt: Die Atmosphäre steht unter erheblicher innerer Spannung, die sich durch Gewitter entlädt. Böen von 40 km/h deuten zudem auf eine spürbare vertikale Windscherung hin, also auf eine Veränderung von Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe. Diese Scherung kann Gewitterzellen organisieren und langlebiger machen, in Extremfällen auch mesoskalige Rotationen – also Vorläufer von Böen-Windfeldern – begünstigen. Ein fallendes Druckfeld verstärkt den dynamischen Auftrieb zusätzlich.
In der Nacht auf Donnerstag verliert die Lage schrittweise an Brisanz, sobald die bodennahe Wärmezufuhr durch die Abkühlung ausbleibt. Aktive Zellen können sich aber noch bis in die frühen Morgenstunden halten. Der Donnerstag selbst präsentiert sich dann deutlich ruhiger: Der Instabilitätsindex fällt auf 3 von 10, die Luftfeuchte sinkt auf 50 %, und die Taupunkt-Differenz steigt auf 6,2°C – alles Signale für eine stabiler werdende Atmosphäre. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt nur noch bei 21 %, Gewitter sind am Donnerstag unwahrscheinlich. Richtung Freitag und Samstag stabilisiert sich die Lage weiter: Der Instabilitätsindex verbleibt bei 3 von 10, die Taupunkt-Differenz klettert auf 7,6°C beziehungsweise 4,3°C, und der Wind flaut deutlich ab. Der Rest der Woche verspricht ruhiges, trockenes Hochdruckwetter ohne relevantes Gewitterrisiko.
Wer sich heute Abend noch im Freien aufhält, sollte folgende Warnsignale ernst nehmen: eine rasche Verdunkelung des westlichen Horizonts, ein plötzlicher Temperatursturz von mehr als 3 bis 5 Grad innerhalb weniger Minuten sowie eine spürbar zunehmende Böigkeit des Winds – all das sind typische Vorboten einer herannahenden Gewitterzelle. Suchen Sie bei Gewitter sofort ein stabiles Gebäude oder ein geschlossenes Fahrzeug auf. Wassersport auf offenen Seen oder der Oder sollte ab spätestens 19:30 Uhr eingestellt werden – auf dem Wasser gibt es keine Schutzmöglichkeit, und Blitzschlag trifft exponierte Positionen zuerst. Autofahrten in Richtung aufziehender Gewitterzellen sind zu vermeiden, da Aquaplaning durch kurzfristigen Starkregen und reduzierte Sicht durch Hagelschauer die Unfallgefahr massiv erhöhen. Camper und Zeltende sollten Zelte sichern und Schutz in Fahrzeugen oder festen Unterkünften suchen.
