Stand 17:05 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden gilt in Brandenburg ein moderates Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt aktuell bei 5 von 10 – das entspricht einer mittleren konvektiven Energie in der Atmosphäre, die einzelne Gewitter, vor allem in der zweiten Abendstunde zwischen 20:00 und 23:00 Uhr, nicht ausschließt. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit ist mit 18 % zwar überschaubar, jedoch genügt bei den vorliegenden Bedingungen ein einzelner Auslöser, um lokale Schauer mit Gewittercharakter zu zünden. Besonders im Süden und Westen Brandenburgs, wo die Tageserwärmung am stärksten war, ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten. Böen bis 31 km/h sind möglich. Hagelpotenzial besteht bei isolierten Zellen zwar grundsätzlich, ist angesichts der moderaten Instabilität aber als gering einzustufen.
Der entscheidende Faktor heute Abend ist die Kombination aus Feuchte und Wärme: Eine relative Luftfeuchte von 80 % bedeutet, dass die Atmosphäre bereits stark mit Wasserdampf gesättigt ist – das ist der Treibstoff für Konvektion. Der Taupunkt-Gradient von nur 5,4 °C (Differenz zwischen Lufttemperatur und Taupunkt) zeigt, dass die Luft nah an ihrem Sättigungspunkt ist. Faustformel: Liegt dieser Wert unter 7 °C, ist feuchte Konvektion mit Niederschlag wahrscheinlicher, da kaum Energie benötigt wird, damit aufsteigende Luftmassen kondensieren und zu Wolkentürmen ausarten. Die Windscherung – also die Veränderung der Windrichtung und -stärke mit der Höhe – ist bei Böen von 31 km/h und einem Mittelwind von 11 km/h moderat ausgeprägt, aber nicht stark genug, um organisierte Gewitterlinien oder gar rotierende Strukturen (sogenannte Mesozyklonen) zu begünstigen. Kurzlebige, aber intensiv schauende Zellen sind das wahrscheinlichere Szenario. Der Drucktrend zeigt kein stark fallendes Feld, dynamischer Auftrieb durch großräumige Hebung ist daher begrenzt – thermische Auslösung durch die Tageshitze bleibt die Hauptursache.
In der Nacht zum Samstag und am morgigen Samstag, den 1. August, entspannt sich die Lage deutlich. Die Temperaturen fallen auf 16 bis 23 °C, die Luftfeuchte sinkt auf 50 %, und der Instabilitäts-Index geht auf 3 von 10 zurück. Der Taupunkt-Gradient steigt auf 5,7 °C – noch immer unter der 7-°C-Schwelle, aber in Kombination mit der deutlich trockeneren Luft und schwächerer Einstrahlung ergibt sich kein nennenswertes Gewitterpotenzial mehr. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit von 21 % am Samstag dürfte eher auf harmlose Schauer ohne elektrische Aktivität hinweisen. Das Wochenende und der Übergang in die neue Woche zeigen eine zunehmende Stabilisierung: Sonntag und Montag sind mit Instabilitäts-Indizes von 0 bzw. 3 und Taupunkt-Gradienten von über 7 °C praktisch gewitterfrei – freundlicheres, trockenes Sommerwetter ist zu erwarten.
Wer heute Abend noch draußen ist – ob beim Grillen, Radfahren oder am See – sollte die Wetterentwicklung im Blick behalten. Typische Warnsignale für eine rasch aufziehende Gewitterzelle sind: eine plötzliche Abkühlung von mehreren Grad innerhalb weniger Minuten, eine stark zunehmende Böigkeit aus wechselnden Richtungen sowie das rasante Aufwachsen dunkelgrauer, türmchenförmiger Wolken im Westen oder Südwesten des Himmels. Wer sich im Freien aufhält, sollte rechtzeitig ein festes Gebäude aufsuchen – Zelte, offene Pavillons und Bäume bieten keinen Schutz. Wassersportler und Bootsfahrer auf Brandenburger Seen sollten das Ufer spätestens ab 19:30 Uhr ansteuern, da sich Gewitter auf dem Wasser besonders gefährlich entwickeln können. Autofahrer werden gebeten, bei aufkommendem Starkregen die Geschwindigkeit zu reduzieren und bei Sichtweiten unter 50 Metern eine sichere Stelle zum Anhalten zu suchen.
