Das Wetter in Schleswig-Holstein: Gewittergefahr HOCH – Sturmböen bis 73 km/h am Sonntagabend

Stand 17:00 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden gilt in Schleswig-Holstein eine HOHE Gewittergefahr. Der Instabilitäts-Index liegt heute bei 10 von 10 – dem höchstmöglichen Wert. Gewitter sind ab den Abendstunden, wahrscheinlich zwischen 19:00 und 23:00 Uhr, landesweit möglich, mit Schwerpunkt zunächst im Binnenland, später auch an der Küste. Begleitend sind Sturmböen bis 73 km/h zu erwarten. Die Kombination aus hoher Feuchte und starker Windscherung lässt einzelne Gewitter zu Unwettern mit Starkregen und erhöhtem Hagelrisiko eskalieren. Wassersportler und alle im Freien sollten jetzt Schutz suchen.

Warum ist die Lage so ernst? Der Instabilitäts-Index von 10 entspricht in der Praxis einem sehr hohen CAPE-Wert – das bedeutet, aufsteigende Luftpakete finden extrem viel Energie vor und können sich explosionsartig bis in große Höhen entwickeln. Entscheidend verschärfend wirkt heute die Feuchte: Mit 76 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und einer Taupunkt-Temperaturdifferenz von nur 5,9 Grad Celsius ist die Atmosphäre bis in mittlere Höhen sehr feucht gesättigt – ein klassisches Warnsignal, denn je kleiner dieser Abstand, desto weniger Energie muss ein Gewitter aufwenden, um zu entstehen und sich zu halten. Dazu kommen anhaltende Winde von 37 km/h mit Böen bis 73 km/h: Diese starke Windscherung – also die Zunahme von Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe – gibt Gewitterzellen eine rotierende Struktur und erhöht das Potenzial für organisierte, langlebige Gewitter bis hin zu mesoskaligen Konvektionssystemen. Kurz gesagt: Alle drei Hauptzutaten für gefährliche Gewitter sind heute gleichzeitig vorhanden.

In der Nacht auf Montag lässt die Gewitteraktivität voraussichtlich nach Mitternacht schrittweise nach, sobald der dynamische Antrieb aus dem Druckfeld abnimmt. Der Montag selbst präsentiert sich deutlich entspannter: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3 von 10, die Luftfeuchtigkeit sinkt auf 50 Prozent, und die Böen liegen nur noch bei 30 km/h. Einzelne Schauer bleiben mit 29 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit und 0,7 mm Menge zwar möglich, eine Gewittergefahr besteht jedoch kaum noch. Dienstag und Mittwoch bringen bei ebenfalls niedrigen Instabilitätswerten von 3 und sinkenden Windgeschwindigkeiten weitgehend trockenes, ruhiges Wetter – die sommerliche Hochdruckphase festigt sich zum Wochenbeginn zunehmend.

Für die nächsten Stunden gilt: Beobachten Sie den Himmel aufmerksam. Warnsignale sind rasch aufquellende dunkle Wolkentürme im Westen oder Südwesten, ein plötzlicher Temperaturrückgang um mehrere Grad innerhalb weniger Minuten sowie ein spürbarer Anstieg der Böen – all das kündigt ein herannahendes Gewitter zuverlässig an. Suchen Sie sofort ein festes Gebäude auf und verlassen Sie offene Gewässer, Freibäder sowie Strände unverzüglich. Autofahrer sollten bei starkem Regen und eingeschränkter Sicht auf einen sicheren Parkplatz ausweichen und den Motor abstellen. Freizeitkapitäne und Segler auf Nord- und Ostsee sowie den Binnengewässern sollten jetzt den Heimweg antreten – bei Böen bis 73 km/h sind auch küstennahe Reviere für Sportboote gefährlich. Halten Sie ein batteriebetriebenes Radio oder eine Warn-App (z. B. NINA oder WarnWetter des DWD) griffbereit.

Besondere Risiken heute Abend: Starkregen mit kurzzeitig über 20 mm Niederschlag kann örtlich Straßen überfluten und Unterführungen unpassierbar machen – bitte keine überfluteten Fahrbahnen befahren, bereits 30 Zentimeter Wasser können ein Auto wegreißen. Das Hagelrisiko ist aufgrund der Instabilität und der starken Aufwinde erhöht; Fahrzeuge sollten wenn möglich in einer Garage oder unter einem Dach geparkt werden. Durch die hohe Blitzaktivität bei organisierten Gewittern gilt: Bäume, Türme, Masten und offene Felder sind tabu. Im Freien gilt die 30-30-Regel: Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden liegen, sofort Schutz suchen und erst 30 Minuten nach dem letzten Donner wieder ins Freie gehen.