Stand 17:00 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden ist in Schleswig-Holstein kein Gewitter zu erwarten. Der heutige Freitag bleibt trotz eines bemerkenswert hohen Instabilitäts-Index von 8 von 10 trocken – die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei lediglich 8 Prozent. Das Gewitterrisiko stufen wir für die Nacht auf Samstag als NIEDRIG ein. Allerdings sind kräftige Böen bis 68 km/h vor allem an der Küste und auf freien Flächen ein eigenständiges Risiko, das nicht unterschätzt werden sollte. Windanfällige Gegenstände im Freien sollten noch heute gesichert werden.
Warum keine Gewitter trotz hoher Instabilität? Der entscheidende Faktor ist die Feuchte: Mit einer relativen Luftfeuchte von 63 Prozent und einem Taupunkt-Gradienten von 6,8 Grad Celsius liegt die Atmosphäre knapp unter der kritischen Schwelle. Ein Taupunkt-Gradient unter 7 Grad Celsius signalisiert zwar beginnende Feuchteverfügbarkeit für aufsteigende Luftmassen, reicht heute jedoch noch nicht aus, um organisierte Konvektion – also das geordnete, kräftige Aufsteigen feuchtwarmer Luft – zu zünden. Die starke Windscherung (Böen bis 68 km/h) würde aufkommende Gewitterzellen zwar strukturieren und im schlimmsten Fall Mesozyklonen-Potenzial erzeugen, doch ohne ausreichende Feuchte und eine auslösende Hebungszone fehlt der entscheidende Initialzünder. Das Druckfeld zeigt heute noch keine ausreichend dynamische Unterstützung für konvektiven Auftrieb.
Der Samstag bringt eine spürbare Beruhigung beim Wind (22 km/h, Böen bis 37 km/h) bei gleichzeitig sinkender Luftfeuchte auf 50 Prozent. Der Instabilitäts-Index fällt auf 6 von 10 – Gewitterrisiko moderat, aber mit 44 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit und 3,2 mm erwartetem Regen sind Schauer möglich. Kritischer wird es am Sonntag: Der Instabilitäts-Index steigt wieder auf 8 von 10, der Wind legt auf Böen bis 56 km/h zu, und die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 59 Prozent. Die Kombination aus erhöhter Instabilität, rückläufigem Taupunkt-Gradienten (4,7 Grad – deutlich feuchter als heute) und frischer Windscherung erhöht das Gewitterrisiko am Sonntag auf MODERAT bis HOCH. Wer für das Wochenende Outdoor-Aktivitäten, Wassersport oder längere Fahrten plant, sollte den Sonntag besonders im Blick behalten. Der Montag bringt schließlich eine deutliche Stabilisierung: Instabilitäts-Index nur noch 3 von 10, kaum Wind, trockenes Wetter.
Auch wenn heute Nacht kein Gewitter droht, sollten Sie die typischen Warnsignale kennen, die ab Samstagnachmittag und vor allem am Sonntag relevant werden: Achten Sie auf plötzliche Abkühlung um mehrere Grad innerhalb weniger Minuten – das deutet auf herannahende Gewitterfronten hin. Eine rasche Zunahme der Böen, sich schnell auftürmende dunkle Wolkentürme im Westen oder Südwesten sowie ein drückendes, schwüles Gefühl sind verlässliche Warnsignale. Wassersportler sollten am Sonntag spätestens bei auffrischendem Wind und dunklem Horizont sofort ans Ufer. Autofahrer: Bei Böen über 50 km/h und einsetzendem Starkregen Geschwindigkeit deutlich reduzieren, Abstand erhöhen. Verfolgen Sie die DWD-Warnungen und Radar-Apps engmaschig – Gewitter in Norddeutschland können sich innerhalb von 20 bis 30 Minuten von unauffällig zu gefährlich entwickeln.
