Das Wetter in Schleswig-Holstein: Gewittergefahr am Abend – Instabilitäts-Index auf kritischem Niveau

Stand 17:00 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden besteht in Schleswig-Holstein ein HOHES Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt aktuell bei 8 von 10 – das entspricht einer Hochgefahr-Einstufung. Erste konvektive Entladungen sind ab dem späten Abend, konkret nach 20:00 Uhr, wahrscheinlich, mit einem Schwerpunkt in den südlichen und zentralen Landesteilen. Der Wind weht mit 23 km/h, Böen erreichen heute noch 36 km/h. In Verbindung mit der hohen Feuchtelast kann es bei aufziehenden Gewitterzellen zu kurzfristigen Böenspitzen über 50 km/h kommen. Ein Hagelpotenzial ist bei diesen Bedingungen nicht auszuschließen, bleibt aber als gering bis moderat einzustufen.

Die meteorologische Erklärung: Drei Faktoren treffen heute ungünstig zusammen. Erstens liegt die relative Luftfeuchte bei 78 Prozent – alles über 70 Prozent gilt als kritische Feuchte-Schwelle, weil die Atmosphäre dann genug Wasserdampf als Energieträger für aufsteigende Luftmassen bereitstellt. Zweitens beträgt der Gradient zwischen Temperatur und Taupunkt lediglich 3,5 Grad Celsius. Je kleiner dieser Wert, desto weniger muss Luft aufsteigen, bevor sie kondensiert und Quellwolken entstehen – ab unter 7 Grad Celsius sprechen wir von einer Problemzone, und mit 3,5 Grad befinden wir uns tief darin. Drittens signalisiert der Instabilitäts-Index 8 von 10 ein erhebliches konvektives Potenzial, vergleichbar mit einem hohen CAPE-Wert (Convective Available Potential Energy – die in der Atmosphäre gespeicherte Energie für aufsteigende Luftmassen). Die Windscherung – also die Zunahme der Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe – ist bei Böen bis 36 km/h vorhanden, erreicht heute jedoch noch kein Mesozyklonen-Niveau, das für rotierende Gewitterzellen notwendig wäre. Das Risiko gilt daher als hoch, aber nicht außergewöhnlich.

In der Nacht auf Sonntag und am Sonntag selbst verschärft sich die Lage in einer entscheidenden Komponente: Der Wind nimmt deutlich zu, Böen erreichen am Sonntag bis zu 52 km/h, und die Niederschlagswahrscheinlichkeit steigt auf 63 Prozent. Der Instabilitäts-Index bleibt mit 8 von 10 auf identisch hohem Niveau. Bemerkenswert ist dabei, dass die Luftfeuchte am Sonntag auf 50 Prozent sinkt und der Taupunkt-Gradient auf 4,7 Grad ansteigt – die Atmosphäre wird oberflächlich trockener. Das klingt zunächst beruhigend, ist es aber nicht: Stärkere Windscherung bei gleichbleibend hoher Instabilität kann gut organisierte, langlebige Gewitterzellen begünstigen, die trotz weniger Feuchte intensiv ausfallen. Zum Wochenbeginn am Montag bringt ein Tief mit 6,4 mm Niederschlag klassischen Landregen – der Instabilitäts-Index fällt auf 6, das konvektive Potenzial nimmt spürbar ab. Dienstag beruhigt sich die Lage mit einem Index von nur noch 3 deutlich.

Empfehlungen für heute Abend: Wer sich im Freien aufhält, sollte die Wetterentwicklung nach Westen und Südwesten im Blick behalten – Gewitter kündigen sich typischerweise durch eine rasche Verdunkelung des Himmels, einen abrupten Temperaturabfall von mehreren Grad innerhalb von Minuten sowie eine plötzliche Böenzunahme an. Alle drei Signale erfordern sofortiges Handeln. Bäume, offene Gewässer, Strände und erhöhte Flächen sind bei Blitzgefahr zu meiden. Wassersportler an Nord- und Ostsee sowie auf Binnengewässern sollten das Wasser spätestens bei aufziehendem Gewölk verlassen – auf dem Wasser gibt es keinen Schutz. Für Autofahrten gilt: Bei starkem Regen und Böen Geschwindigkeit deutlich reduzieren, Abstand vergrößern und Unterführungen meiden, da Starkregen diese in kurzer Zeit fluten kann. Camper und Zeltende sollten Ausrüstung sichern und feste Unterkünfte aufsuchen.

Spezifische Risiken für den heutigen Abend und die Nacht: Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 48 Prozent, was in Kombination mit dem hohen Instabilitäts-Index bedeutet, dass einzelne Zellen bei ihrem Entladen kurzzeitig ergiebigen Starkregen von 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter in weniger als einer Stunde produzieren können – deutlich mehr als die prognostizierten 1,2 mm im Tagesmittel. Blitzschlag-Aktivität ist bei einem Index von 8 wahrscheinlich. Hagel in kleinen Korngrößen bis etwa 1 cm ist möglich, größerer Hagel bleibt bei der aktuellen Windscherung weniger wahrscheinlich. Lokale Überflutungen durch verstopfte Abflüsse in urbanen Bereichen sind bei Starkregenereignissen nicht auszuschließen. Verfolgen Sie die Warnlage des Deutschen Wetterdienstes unter dwd.de/warnungen kontinuierlich – Unwetterwarnungen können kurzfristig ausgegeben werden.