Das Wetter in Schleswig-Holstein: Starkregen-Nacht ohne Gewittergefahr – aber Montag bringt stürmische Böen

Stand 17:00 Uhr: Schleswig-Holstein liegt aktuell unter einer dichten Regendecke, doch klassische Gewittergefahr besteht in den kommenden 6 bis 12 Stunden nicht. Der Instabilitäts-Index liegt bei moderaten 5 von 10 – das reicht für anhaltenden, teils kräftigen Landregen, nicht aber für organisierte Gewitterzellen. Bis Mitternacht sind Niederschlagsmengen von weiteren 10 bis 15 Millimetern möglich, mit Windböen um 28 km/h vor allem an der Küste. Hagel und Blitzschlag sind heute Nacht kein Thema.

Warum bleibt es trotz hoher Instabilität gewitterlos? Die Antwort liegt in der extremen Luftfeuchtigkeit: Mit 92 Prozent relativer Feuchte und einem Taupunkt-Gradienten von nur 1,4 Grad Celsius ist die Atmosphäre nahezu gesättigt. Das klingt zunächst nach Gewitterbrennstoff – ist es aber nicht. Denn fehlende Sonneneinstrahlung und ein fehlendes Hebungsmaximum verhindern den nötigen konvektiven Aufwind (den sogenannten CAPE-Aufbau, also die Energie, die Gewitterwolken nach oben treibt). Die Energie in der Luftmasse verpufft als gleichmäßiger Landregen, nicht als explosive Konvektion. Die Windscherung – also die Änderung der Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe – ist bei 16 km/h Grundwind zu schwach, um rotierende Gewitterzellen zu organisieren. Kein Mesozyklonenpotenzial heute Nacht.

Der Montag (27.07.) verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit. Der Instabilitäts-Index springt auf 8 von 10 – das ist die Hochrisikozone. Gleichzeitig frischt der Wind auf 32 km/h auf, mit Böen bis 52 km/h. Die Luftfeuchtigkeit fällt zwar auf 50 Prozent, und der Taupunkt-Gradient steigt auf 4,5 Grad Celsius – das bedeutet trockenere Luft einfließt. Dieser Kontrast zwischen labiler, energiereicher Atmosphäre und auffrischenden Böen schafft jedoch Windscherung, die unter Umständen kurzlebige Schauer und einzelne Gewitter organisieren kann. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 58 Prozent. Gewittergefahr am Montag: MODERAT bis HOCH – besonders in der ersten Tageshälfte, wenn der Druckgradient am stärksten ist. Der Dienstag beruhigt sich deutlich: trocken, 22 Grad als Tageshöchstwert, Instabilitäts-Index bei 3 – Entwarnung.

Empfehlungen für heute Nacht und Montag: Heute Abend reicht eine normale Regenjacke – Blitzschutzmaßnahmen sind nicht nötig. Für Montag gilt: Wer Outdoor-Aktivitäten, Segeln oder Kitesurfen plant, sollte die Böenentwicklung ab dem frühen Morgen im Blick behalten. Böen über 50 km/h auf dem Wasser sind gefährlich, auch ohne Gewitter. Autofahrer sollten auf Aquaplaning-Gefahr durch aufgeweichte Straßen achten – 24,2 Millimeter Regen vom Sonntag können Senken und Unterführungen belasten. Typische Warnsignale für aufziehende Gewitterzellen am Montag: plötzlicher Temperaturabfall um 3 bis 5 Grad innerhalb weniger Minuten, rasch zunehmende Böen aus wechselnden Richtungen und eine schnell abdunkelnde Wolkenbasis im Westen. Bei diesen Zeichen sofort Schutz in stabilen Gebäuden suchen.

Starkregen-Risiko bleibt das dominierende Thema dieses Wochenendes. Der Sonntag hat bereits 24,2 Millimeter Niederschlag gebracht – das entspricht etwa einem Viertel des durchschnittlichen Monatsniederschlags für Schleswig-Holstein im Juli. Böden sind stellenweise gesättigt, Kanalnetze in Tieflagen potenziell überlastet. Sollten am Montag bei hohem Instabilitäts-Index (8/10) doch Gewitterzellen entstehen, wäre lokaler Starkregen von über 20 Millimetern pro Stunde möglich – das Hauptrisiko wäre dann urbane Überflutung in Kiel, Lübeck und Hamburg-Nord. Blitzschlaggefahr wäre bei Gewitterbildung am Montag als erhöht einzustufen. Die Entwicklung wird im Morgen-Update um 07:00 Uhr präzisiert.