Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert. Die Wirtschaftsweisen erwarten nun, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 preisbereinigt um 0,5 Prozent wachsen wird. Das geht aus dem Frühjahrsgutachten hervor, welches am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.
Bisher hatten die Experten mit einem Wachstum von 0,9 Prozent gerechnet. Für das kommende Jahr erwartet das Beratergremium ein Wachstum von 0,8 Prozent.
Als Hauptgrund für die Anpassung der Erwartungen nennen die Wirtschaftsweisen den Iran-Krieg, der die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland belaste. Die ohnehin schwache wirtschaftliche Entwicklung werde durch den aktuellen Energieangebotsschock erneut gehemmt.
Zusätzlich verschärft die demografische Alterung den Druck auf die Sozialversicherungen. Die Ausgaben der Sozialversicherungen steigen schneller als die beitragspflichtigen Einnahmen. Daher wird der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz bis zum Jahr 2040 voraussichtlich auf fast 50 Prozent steigen.
Diese Entwicklung wird zunehmend zu einem „gesamtwirtschaftlichen Belastungsfaktor“, warnen die Wirtschaftsweisen. Berechnungen zeigen, dass der erwartete Anstieg des Gesamtbeitragssatzes das BIP bis zum Jahr 2035 im Vergleich zu einem Szenario ohne Beitragssatzsteigerungen um 0,5 bis 0,9 Prozent senken wird. Mit dem Anstieg der Beitragssätze sinkt das Nettoeinkommen der privaten Haushalte und deren Konsum geht zurück.
„Der absehbare Anstieg der Ausgaben in den Sozialversicherungen sollte verlangsamt werden“, sagte Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates. „Gleichzeitig gilt es, die Einnahmenbasis und das Leistungsniveau der Sozialversicherungen zu stabilisieren.“
Um die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren, empfehlen die Experten Reformen zur Ausgabensteuerung in der stationären Versorgung sowie bei Arzneimitteln. Die Pflegeversicherung sollte als Teilversicherung erhalten bleiben, wobei Pflegeleistungen auf das fachlich empfohlene Maß begrenzt werden sollten. Eine kohortenspezifische Kapitaldeckung könnte die finanziellen Belastungen generationengerechter verteilen und das Leistungsniveau stabilisieren.
Wirtschaftlicher Druck entsteht auch durch die Inflation, die durch die wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Energiepreise wieder anzieht. Die Verbraucherpreisinflation wird in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich auf 3,0 Prozent steigen und im Jahr 2027 nur leicht auf 2,8 Prozent zurückgehen. Die hohen Energiekosten belasten zudem auch die Unternehmen, was die ohnehin rückläufige Industrieproduktion weiter verringert und die private Investitionstätigkeit hemmt.