Die Polizei Münster hat am Mittwoch das zehnjährige Bestehen der Initiative „Kurve kriegen“ gefeiert – ein landesweites Präventionsprogramm, das kriminalitätsgefährdeten Kindern und Jugendlichen hilft, einen Weg aus der Kriminalität zu finden. Das Ministerium des Inneren Nordrhein-Westfalens hatte das Projekt 2011 ins Leben gerufen, der Standort Münster folgte 2016.
„Die Initiative ist eine riesengroße Chance für Kinder und Jugendliche, noch einmal buchstäblich die Kurve zu kriegen und sich eben nicht in Kriminalität zu verstricken“, betont Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf. „Für die jungen Menschen ist das oft lebensrettend und existenziell wichtig.“
Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche ab acht Jahren, die bei polizeilichen Prüfungen als kriminalitätsgefährdet auffallen. Polizeiangehörige des Jugendkommissariats sprechen die Sorgeberechtigten an. Die Eltern entscheiden dann freiwillig, ob sie das Angebot annehmen möchten. Im Mittelpunkt steht der individuelle Unterstützungsbedarf – ermittelt gemeinsam von Eltern, Schule, Jugendamt und den pädagogischen Fachkräften.
Die Fachkräfte gehören dem Verein sozial-integrativer Projekte (ViP) an und arbeiten zwar mit dem Jugendkommissariat zusammen, unterliegen ihrer pädagogischen Arbeit nach aber der Schweigepflicht – auch gegenüber der Polizei. Das ermöglicht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ohne polizeiliche Überwachung.
In Münster nahmen in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 64 Kinder und Jugendliche am Programm teil. Aktuell sind 14 Teilnehmende aktiv. 26 haben die Initiative erfolgreich abgeschlossen, 13 brachen das Programm ab. Elf Teilnehmende zogen um – wer Münster verließ, konnte das NRW-spezifische Projekt nicht weiterführen, wer innerhalb des Landes umzog, konnte an einem anderen Standort weitermachen.
Die Bilanz auf Landesebene ist beeindruckend: 40 Prozent der gefährdeten Kinder und Jugendlichen begehen nach der Teilnahme keine Straftaten mehr. 60 Prozent reduzieren ihre Straftaten um die Hälfte. Von den mehr als 1600 Absolventinnen und Absolventen des Programms wurden nur etwa 1,5 Prozent in dem Umfang rückfällig, dass sie in ein Intensivtäterprogramm aufgenommen werden mussten.
Dorndorf unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung: „Mit jeder verhinderten Intensivtäterkarriere werden soziale Folgekosten von etwa 1,7 Millionen Euro eingespart.“ Mehr Informationen unter www.kurvekriegen.nrw.de