Das Polizeipräsidium Bonn feierte am Montag, 13. Juli 2026, das zehnjährige Bestehen der kriminalpräventiven Initiative „Kurve kriegen“. Seit 2016 hilft das Programm straffällig gewordenen und kriminalitätsgefährdeten Kindern und Jugendlichen in Bonn und der Region, Wege aus der Kriminalität zu finden.
Bilanz der Arbeit: Die polizeilichen Präventionsspezialistinnen und -spezialisten haben in den vergangenen zehn Jahren 106 Kinder und Jugendliche betreut. Von ihnen haben 63 das Programm erfolgreich abgeschlossen. Derzeit nehmen 19 junge Menschen an der Initiative teil. Nur in wenigen Einzelfällen brachen Teilnehmende das Programm ab (6 Fälle) oder verließen es wegen Wohnortwechsel (12 Fälle). In lediglich sechs Fällen mussten Teilnehmende aufgrund anhaltender Straffälligkeit an die Intensivtätersachbearbeitung des Kriminalkommissariates 14 überstellt werden.
„Kurve kriegen“ ist eine Initiative des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, die 2011 in zunächst acht NRW-Städten gestartet wurde und seitdem ausgeweitet wurde. Im Polizeipräsidium Bonn setzt sie sich dafür ein, kriminalitätsgefährdete Kinder und Jugendliche so früh wie möglich zu erkennen und sie durch individuelle, passgenaue Hilfsangebote vor einem dauerhaften Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren.
Die Zusammenarbeit im Präsidium Bonn ist eng: Die Präventionsspezialistinnen und -spezialisten des Kriminalkommissariats Kriminalprävention/Opferschutz arbeiten direkt mit den pädagogischen Fachkräften von update, der Fachstelle für Suchtprävention von Caritas/Diakonie, sowie mit weiteren Netzwerkpartnern zusammen. Eine Besonderheit: Den pädagogischen Fachkräften von update steht ein eigener Büroraum im Polizeipräsidium zur Verfügung. Sie arbeiten Tür an Tür mit den Polizeipräventionsspezialistinnen und -spezialisten.
NRW-Innenminister Herbert Reul würdigte die Initiative als „absolutes Erfolgsmodell“. Er betonte: „Es steht für frühe Intervention, Veränderung und Einsicht. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit ganzem Herzen im Einsatz. Sie helfen, unterstützen und fördern durch Angebote und pädagogische Maßnahmen. Durch Kurve kriegen kommen Kinder und Jugendliche wieder auf den richtigen Weg und finden Anschluss, der ihnen sonst gefehlt hätte.“
Der Bonner Polizeipräsident Frank Hoever ergänzte: „Wir freuen uns, dass die Initiative bereits seit einem Jahrzehnt ein fester Bestandteil unserer kriminalpräventiven Arbeit ist. Jeder junge Mensch, der durch ‚Kurve kriegen‘ einen anderen Weg einschlägt, ist ein Gewinn – für sich selbst, für seine Familie und für unsere gesamte Gesellschaft.“
Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider hob die Bedeutung der kurzen Wege zwischen Polizei und pädagogischen Fachkräften hervor: „Hier wird interdisziplinär und in engster Zusammenarbeit der jeweils beste Weg für die Kinder, Jugendlichen und deren Familien aus der schwierigen Lage heraus erarbeitet. Die Verantwortlichen können auf jeweils aktuelle Situationen sofort reagieren.“ Er betonte zudem: „Die Fachkräfte stehen dauerhaft im engen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen und koordinieren die Zusammenarbeit mit Ämtern, Schulen und weiteren Hilfen.“
Zur Verfügung der pädagogischen Fachkräfte steht ein umfangreicher „Baukasten“ an Maßnahmen: Kompetenztrainings, Lernhilfen, Sprach- und Sportkurse, freizeitpädagogische Angebote und Suchtberatungen. Im Durchschnitt sind die Teilnehmenden bei der Aufnahme in die Initiative zwölf und ein halb Jahre (12,6 Jahre) alt.
Landesweit ist „Kurve kriegen“ aktuell in 42 von 47 Kreispolizeibehörden in Nordrhein-Westfalen etabliert. Seit 2011 haben landesweit 1.676 Kinder und Jugendliche die Initiative erfolgreich abgeschlossen. Derzeit werden 694 junge Menschen an den Standorten der Initiative betreut.
Die Jubiläumsveranstaltung wurde durch Grußworte der Bonner Bürgermeisterin Dr. Ursula Sautter und des Landrates des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster, vervollständigt.
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