Stand 17:00 Uhr: Bayern steht heute Abend unter erhöhter Gewittergefahr. Der Instabilitätsindex liegt mit 10 von 10 Punkten auf dem höchsten möglichen Wert – das bedeutet maximales konvektives Potenzial. Besonders nach 19:00 Uhr müssen Teile Bayerns mit kräftigen Gewitterzellen rechnen, die sich bevorzugt über voralpinen Lagen und dem zentralen Freistaat entwickeln können. Neben Blitz und Donner sind dabei Sturmböen über 47 km/h und lokal auch Hagel möglich. Das Gewitterrisiko wird aktuell als HOCH eingestuft.
Warum ist die Lage so ernst? Drei Faktoren treffen heute ungünstig zusammen. Erstens liegt der Instabilitätsindex bei 10/10 – die Atmosphäre ist maximal labil aufgestellt, Luftmassen in Bodennähe steigen bei kleinsten Auslösern explosionsartig auf. Zweitens signalisiert die Temperatur-Taupunkt-Differenz von nur 7,1 Grad Celsius eine gut gefüllte Feuchtigkeitsreserve in der Atmosphäre – je kleiner dieser Wert, desto mehr Wasserdampf steht für Schauer und Gewitter zur Verfügung. In Kombination mit einer Luftfeuchte von 71 Prozent ist ausreichend latente Energie vorhanden, um intensive Niederschläge zu speisen. Drittens sorgen Böen von bis zu 47 km/h für Windscherung – das bedeutet, dass Wind in verschiedenen Höhenschichten unterschiedlich stark und aus unterschiedlichen Richtungen weht. Diese Bedingung ist entscheidend für die Organisation von Gewitterzellen und erhöht das Potenzial für rotierende Aufwinde (sogenannte Mesozyklonen), die besonders große Hagelkörner und schwere Böen erzeugen können.
In der Nacht zum Sonntag schwächt die Gewitteraktivität voraussichtlich ab, da die solare Einstrahlung als Auslöser wegfällt. Der Sonntag selbst zeigt sich deutlich entspannter: Der Instabilitätsindex fällt auf 3 von 10, die Luftfeuchte sinkt auf 50 Prozent, die Taupunkt-Differenz steigt auf 7,8 Grad – die Atmosphäre stabilisiert sich merklich. Bei Temperaturen bis 25 Grad und kaum Wind ist am Sonntag kein nennenswertes Gewitterrisiko zu erwarten. Auch der Montag und Dienstag bleiben mit stabilen Indizes von 3 von 10 und trockenen Verhältnissen vorerst gewitterfrei, auch wenn am Dienstag eine auffällig geringe Temperatur-Taupunkt-Differenz von 3,7 Grad beobachtet wird – ein Wert, der bei höherer Instabilität zukünftig wieder problematisch werden könnte.
Wer sich heute Abend noch im Freien aufhält, sollte diese Warnsignale kennen und ernst nehmen: Eine plötzliche Abkühlung um mehrere Grad innerhalb weniger Minuten ist ein klassischer Vorbote einer herannahenden Gewitterzelle. Auch eine merkliche Böen-Zunahme oder sich rasch verdunkelnde Quellwolken im Westen und Südwesten sind unmittelbare Alarmzeichen. Outdooraktivitäten – besonders Wanderungen in exponierten Lagen, Radtouren und Wassersport auf Seen – sollten vor 19:00 Uhr abgeschlossen oder in Innenräume verlagert werden. Autofahrer sollten bei Starkregen die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und auf Aquaplaning achten. Suchen Sie bei Gewittern keine Unterstellmöglichkeit unter Bäumen oder in offenen Hütten – massives Gebäude oder das Auto mit geschlossenen Fenstern sind die sicherste Wahl.
Das Hagel- und Starkregenpotenzial ist heute Abend konkret. In Kombination aus maximaler Instabilität, hoher Feuchte und kräftiger Windscherung können einzelne Gewitterzellen zu sogenannten Superzellen organisiert werden – Strukturen, die für großen Hagel (Korngröße über 2 cm möglich), Blitzschlagraten von mehreren Einschlägen pro Minute und lokale Starkregenmengen von 20 bis 30 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit bekannt sind. Unterführungen und kleine Bäche können in betroffenen Gebieten rasch überfluten. Halten Sie Abstand von Gewässern, parken Sie Fahrzeuge möglichst in einer Garage und halten Sie Notrufnummern griffbereit (Feuerwehr: 112).
