Stand 17:07 Uhr: München erlebt einen heißen Augusttag mit Spitzenwerten um 33°C – und die Frage, die viele umtreibt, lautet: Kommt heute Abend noch ein Gewitter? Die klare Antwort lautet: Das Risiko ist vorhanden, aber moderat. Mit einem Instabilitäts-Index von 5 von 10 liegt die Atmosphäre über München in einer mittleren Spannungszone. Lokale Gewitter sind in den nächsten sechs bis zwölf Stunden – also bis gegen Mitternacht – nicht ausgeschlossen, jedoch auch nicht dominant wahrscheinlich. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt laut DWD bei 21 Prozent, gemessener Niederschlag fiel bislang nur 1,2 mm. Sollte es doch zu Entladungen kommen, sind diese am ehesten ab dem späten Abend nach 20:00 Uhr in einem Gürtel südlich und südwestlich von München – also Richtung Voralpenland – zu erwarten. Böen von bis zu 39 km/h sind dabei möglich, Hagel ist bei diesem Feuchteniveau eher unwahrscheinlich, aber nicht vollständig auszuschließen.
Der Grund für das moderate Risiko liegt in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Instabilitäts-Index von 5 signalisiert konvektives Potenzial – die Atmosphäre ist also grundsätzlich in der Lage, aufsteigende Luftmassen in Gewitterzellen umzuwandeln, wenn ein geeigneter Auslöser vorhanden ist. Kritisch ist dabei die Taupunkt-Temperatur-Differenz: Sie beträgt heute 10,4°C, was bedeutet, dass die Luft relativ trocken ist. Erst unterhalb von etwa 7°C Differenz spricht man von einer echten Problemzone mit hoher Gewitterneigung. Die Luftfeuchte von 56 Prozent liegt zudem deutlich unter der kritischen Schwelle von 70 Prozent. Das dämpft das Gewitterpotenzial erheblich. Hinzu kommt: Die Windböen von bis zu 39 km/h liegen haarscharf unterhalb der Schwelle von 40 km/h, ab der Meteorologen von relevantem Windscherungspotenzial sprechen – also der Fähigkeit der Atmosphäre, rotierende Gewitterzellen (sogenannte Mesozyklonen) zu entwickeln. Alles zusammengenommen ergibt sich ein Bild: Die Zutaten für ein kräftiges Gewitter sind vorhanden, aber keine davon ist ausgeprägt genug, um ein hohes Risiko zu rechtfertigen.
In der Nacht auf Donnerstag beruhigt sich die Lage. Der Donnerstag selbst bringt eine deutliche Entspannung: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3 von 10, die Höchsttemperaturen sinken auf 26°C, der Wind lässt nach. Allerdings – und das ist bemerkenswert – sinkt die Taupunkt-Differenz auf 5,8°C, was eigentlich auf feuchtere bodennahe Luft hindeutet. Dennoch reicht dies allein nicht aus für nennenswerte Konvektion. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 28 Prozent; ein kurzer Schauer ist denkbar, ein organisiertes Gewitter aber unwahrscheinlich. Freitag und Samstag bringen weitere Abschwächung: Am Freitag ist der Instabilitäts-Index bei null, am Samstag bei drei – bei kaum Wind und minimaler Niederschlagswahrscheinlichkeit. Das Wochenende zeigt sich stabil.
Für den heutigen Abend gilt: Wer Outdoor-Aktivitäten plant, sollte den Himmel im Blick behalten. Warnsignale für eine rasche Gewitterentwicklung sind das plötzliche Aufquellen dunkler Cumulonimbus-Türme im Südwesten, ein spürbarer Temperaturabfall um mehrere Grad innerhalb weniger Minuten sowie eine merkliche Böenzunahme aus wechselnden Richtungen. Wer auf dem Wasser unterwegs ist – etwa am Starnberger See oder Ammersee – sollte bei den ersten Anzeichen umgehend das Ufer aufsuchen. Für Autofahrer auf der A8 Richtung Salzburg oder Garmisch gilt: Böen von fast 40 km/h können Fahrzeuge mit hohem Aufbau in Bedrängnis bringen; Abstand halten und Geschwindigkeit anpassen. Veranstaltungen im Freien sollten einen Notfallplan für die zweite Abendstunde haben. Die Entwarnung für die Nacht erfolgt voraussichtlich nach 23:00 Uhr, wenn die thermische Antriebsenergie durch sinkende Temperaturen nachlässt.
