Stand 17:00 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden – also bis in die frühen Morgenstunden des 10. September – besteht in Deutschland ein moderates Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt heute bei 8 von 10 und fällt damit klar in den Hochbereich der konvektiven Gefährdungsskala. Gewitter sind vor allem in der zweiten Abendphase nach 20:00 Uhr möglich, mit Schwerpunkt in den zentralen und südlichen Landesteilen, wo die Tageserwärmung auf bis zu 23 °C zusammen mit der vorhandenen Feuchte am stärksten wirkt. Besonders aufmerksam sein sollten all jene, die sich im Freien aufhalten: Böen bis 50 km/h sind bereits jetzt aktiv, und im Zusammenspiel mit aufziehenden Gewitterzellen können diese kurzfristig noch stärker werden. Hagel ist bei den gegebenen Parametern nicht ausgeschlossen, bleibt aber eher im kleinkörneligen Bereich. Starkregen in kurzer Zeit ist das wahrscheinlichere Hauptrisiko.
Die meteorologischen Grundlagen für diese Einschätzung sind eindeutig: Der Instabilitäts-Index von 8/10 entspricht einem hohen atmosphärischen Energiespeicher – vergleichbar mit einem hohen CAPE-Wert (Convective Available Potential Energy), also viel aufsteigbarer Warmluft, die bei Auslösung rasch zu kräftiger Konvektion führt. Die Taupunkt-Temperatur-Differenz von 7,1 °C bewegt sich knapp an der kritischen Grenze von 7 °C, unterhalb derer die Atmosphäre als feucht genug für organisierte Konvektion gilt – wir sind also haarscharf im Problembereich. Die Luftfeuchtigkeit von 65 % unterstützt diesen Befund. Entscheidend ist zudem die Windscherung: Böen bis 50 km/h bei mittlerem Wind von 27 km/h erzeugen eine deutliche Differenz zwischen bodennahen und höheren Luftschichten – genau die Bedingung, die Gewitterzellen organisiert und langlebig macht und theoretisch sogar rotierende Strukturen (Mesozyklonen) begünstigen kann. In der Summe ist heute Abend die Konstellation aus Instabilität, ausreichender Feuchte und kräftiger Windscherung so ungünstig, dass Gewitter nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich sind.
Zum Donnerstag, 10. September, ändert sich die Lage spürbar. Der Instabilitäts-Index fällt auf 3 von 10 – die Atmosphäre stabilisiert sich deutlich, eine Kaltfront oder ein stabiles Druckfeld gewinnt die Oberhand. Die Taupunkt-Differenz verbessert sich auf 5,7 °C (also mehr Abstand zur Feuchtegrenze), die Luftfeuchtigkeit sinkt auf 50 %, und die Temperaturen gehen auf maximal 19 °C zurück. Böen reduzieren sich auf 26 km/h – kein nennenswertes Windscherungspotenzial mehr. Das Gewitterrisiko fällt auf NIEDRIG. Freitag und Samstag setzen diesen Trend fort: trockene, ruhige und zunehmend stabile Verhältnisse, am Samstag bei kaum merklichem Wind (Böen nur 9 km/h) und einer sehr geringen Taupunkt-Differenz von 2,3 °C, was auf dichte bodennahe Feuchte, aber keinerlei konvektiven Antrieb hindeutet – eher Nebel- als Gewitterwetter.
Empfehlung für den heutigen Abend: Achten Sie auf klassische Warnsignale für herannahende Gewitterzellen: plötzliche Abkühlung um mehrere Grad innerhalb weniger Minuten, rasch zunehmende Böen aus wechselnder Richtung sowie eine auffällige Verdunkelung des Himmels im Westen oder Südwesten. Wer sich noch im Freien aufhält – auf Terrassen, beim Spaziergang, beim Sport oder auf offenen Gewässern – sollte ab 19:30 Uhr aktiv die Wetterentwicklung im Blick behalten und bei ersten Blitzen konsequent ein stabiles Gebäude aufsuchen. Bootsfahrten und Wassersportaktivitäten sollten jetzt bereits beendet werden. Autofahrern wird geraten, bei einsetzenden Starkregen-Schauern die Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren und Aquaplaning-Risiken auf nassen Fahrbahnen ernst zu nehmen. Bäume und Masten als Unterstand bei Regen sind tabu.
