Die Preise für Baumaterialien in Deutschland sind zuletzt massiv in die Höhe geschossen. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am Mittwoch alarmierende Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie sehr sich die Baukosten für Handwerksbetriebe und private Bauherren verteuert haben.
Die deutlichsten Preissteigerungen gab es bei Bitumen auf Erdölbasis, das im Straßenbau und zur Abdichtung von Dächern, Gebäuden und Fundamenten verwendet wird. Im Mai 2026 kostete es 31,2 Prozent mehr als im Mai 2025. Ebenfalls massiv verteuert haben sich energieintensiv hergestellte Baustoffe wie Flachglas für Fenster, Glastüren oder -wände mit einem Plus von 15,4 Prozent.
Bei Holzmaterialien zeigen sich erhebliche Preissteigerungen: Dachlatten wurden 11,8 Prozent teurer, Bauschnittholz um 11,4 Prozent und Konstruktionsvollholz um 7,5 Prozent. Auch Metalle, deren Herstellung energieaufwendig ist, legten insgesamt um 11,1 Prozent zu. Hier fielen die Steigerungen unterschiedlich aus: Kaltgewalzte Bleche verteuerten sich um 9,9 Prozent, Betonstahl in Stäben um 5,0 Prozent und Rohre oder Hohlprofile aus Eisen oder Stahl um 1,6 Prozent. Betonstahlmatten stiegen um 1,0 Prozent. Ausnahmen gab es bei Stabstahl, das um 0,3 Prozent billiger wurde, und Weißblech mit einem Preisrückgang von 1,1 Prozent.
Auch Kunststoffbaubedarfsartikel wurden teurer: Fenster- und Türverkleidungen kosteten 3,5 Prozent mehr, Fensterläden und Jalousien sogar 3,8 Prozent. Sanitärausstattung wie Badewannen und Duschen verteuerte sich um 3,2 Prozent.
Bei mineralischen Baustoffen stiegen die Preise ebenfalls an. Kalk und gebrannter Gips wurden 4,3 Prozent teurer, Bausand um 3,1 Prozent und Frischbeton um 2,5 Prozent. Wand-, Bodenfliesen und -platten legten um 1,8 Prozent zu. Nur geringe Steigerungen gab es bei Dachziegeln aus keramischen Stoffen mit 0,6 Prozent und Zement mit 0,4 Prozent.
Im Gesamtvergleich stiegen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Mai 2026 um 2,2 Prozent gegenüber dem Mai 2025. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise betrug die Steigerung 2,3 Prozent. Baumaterialien lagen damit deutlich über dem allgemeinen Preisanstieg.
Ein Blick auf die mittelfristigen Entwicklungen zeigt noch deutlichere Verwerfungen. Bis auf Holz lagen nahezu alle Baumaterialien im Jahr 2025 über ihrem Niveau vor der Energiekrise 2022. Mineralische Baustoffe verzeichneten seit 2021 extreme Teuerungen: Kalk und gebrannter Gips um 77,3 Prozent, Zement um 57,7 Prozent, Bausand um 42,6 Prozent und Frischbeton um 35,3 Prozent.
Keramische Baumaterialien legten ebenfalls deutlich zu: Dachziegel verteuerten sich um 42,4 Prozent und Wand-, Bodenfliesen und -platten um 27,0 Prozent gegenüber 2021. Kunststoffbaubedarfsartikel stiegen im Schnitt um 18,9 Prozent. Fensterläden und Jalousien wurden 22,3 Prozent teurer, Badewannen, Duschen und Waschbecken um 21,0 Prozent, Fenster- und Türenverkleidung um 18,6 Prozent sowie Bodenbeläge, Wand- und Deckenverkleidungen aus Kunststoff um 18,5 Prozent. Flachglas als energieintensiver Baustoff verteuerte sich um 20,5 Prozent.
Auch für den Innenausbau mussten Käufer tiefer in die Tasche greifen. Armaturen kosteten 2025 um 27,7 Prozent mehr als 2021, Tapeten um 27,3 Prozent, Teppiche und textile Fußbodenbeläge um 26,0 Prozent, Parkettböden um 24,4 Prozent und Anstrichfarben um 21,5 Prozent. Dämm- und Leichtbauplatten, die im Neubau und zur energetischen Sanierung eingesetzt werden, stiegen um 21,4 Prozent.
Metalle zeigen ein uneinheitliches Bild: Im Jahresdurchschnitt 2025 legten sie um 14,3 Prozent gegenüber 2021 zu. Rohre oder Hohlprofile aus Eisen oder Stahl wurden 31,9 Prozent teurer. Stabstahl stieg moderater um 9,9 Prozent. Dagegen fielen die Preise bei kaltgewalzten Blechen um 14,6 Prozent, bei Betonstahl in Stäben um 13,0 Prozent und bei Weißblech um 4,5 Prozent.
Eine positive Entwicklung gab es nur bei Holzmaterialien: Dachlatten verbilligten sich um 14,1 Prozent, Konstruktionsvollholz um 13,2 Prozent und Bauschnittholz um 1,2 Prozent gegenüber 2021.
Zum Kontext: Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte insgesamt stiegen im Jahr 2025 gegenüber 2021 um 26,2 Prozent. Ohne Energiepreise betrug die Steigerung 19,6 Prozent. Damit liegen Baumaterialien bei vielen Produktgruppen deutlich über dem Gesamttrend.
Autor: dts Nachrichtenagentur