Das Bayerische Landeskriminalamt hat erstmals umfassend untersucht, wie viele Messerdelikte Kinder, Jugendliche und Heranwachsende unter 21 Jahren in Bayern begehen – und wer ihre Opfer sind. Die Analyse basiert auf Daten aus dem Jahr 2024 und zeigt ein differenziertes Bild einer Kriminalitätsform, die oft anders verläuft als erwartet.
Die meisten Messerdelikte durch junge Menschen enden ohne Verletzungen. In vielen Fällen wird das Messer zur Einschüchterung eingesetzt, etwa bei Raub oder Bedrohung. Wenn Opfer verletzt werden, sind die Verletzungen meist leicht. Etwa sechs Prozent der Opfer erleiden schwere Verletzungen, etwa drei Prozent werden lebensgefährlich verletzt. Kein Fall endet tödlich. In einem Drittel der Fälle mit Verletzungen war nicht einmal das Messer die Ursache – Experten vermuten, dass Ausweich- und Abwehrbewegungen der Opfer das Ausmaß der Verletzungen reduzieren.
Junge Menschen, die zum Messer greifen, weisen häufig mehrere Risikofaktoren auf. Bei etwa einem Viertel zeigen sich Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Rund 55 Prozent haben bereits vor dem Messerdelikt mit dem Gesetz Konfrontationen gehabt – meist wegen Körperverletzung, Raub, Nötigung oder Bedrohung, aber auch wegen einfacher Diebstähle. Ein beachtlicher Teil der Tatverdächtigen (38,0 Prozent) und der Opfer (29,3 Prozent) hatte vor der Tat bereits Kontakt mit dem Betäubungsmittelgesetz. Etwa ein Fünftel der Messerangriffe hängt mit dem Anbahnen und Durchführen von Drogengeschäften zusammen. Polizeiliche Daten deuten außerdem auf konflikthafte familiäre Verhältnisse hin – erkennbar an wiederholten Vermisstenanzeigen oder anhaltenden Streitigkeiten.
Messerdelikte durch junge Menschen ereignen sich überwiegend zwischen Gleichaltrigen und innerhalb bestehender sozialer Beziehungen. Die Mehrheit der Opfer ist selbst unter 21 Jahren. Sind sie älter, handelt es sich oft um Familienangehörige oder Betreuungspersonen. Fast 40 Prozent der Opfer stammen aus dem näheren sozialen Umfeld des Tatverdächtigen, rund 20 Prozent sind zumindest flüchtige Bekannte.
Räumlich finden knapp die Hälfte der Messerdelikte an öffentlichen Orten statt – auf Straßen, Plätzen oder Parks. Private Räumlichkeiten sind in 28,5 Prozent der Fälle der Tatort, Schulen in 11,3 Prozent. In knapp über 60 Prozent der Fälle führten Tatverdächtige das Messer bereits mit sich – diese Delikte ereignen sich meist im öffentlichen Raum.
Überblick über die Kriminalität junger Menschen in Bayern: Die Gesamtzahl der tatverdächtigen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden ist 2025 um 5,2 Prozent gesunken. Der stärkste Rückgang zeigt sich in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen (minus 7,1 Prozent), gefolgt von den 18- bis 20-Jährigen (minus 4,2 Prozent). Tatverdächtige Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren verringerten sich um 2,6 Prozent, bleiben aber auf hohem Niveau wie in den Vorjahren.
Bei der Opferwerdung zeigen sich unterschiedliche Trends. Das Opferrisiko bei Jugendlichen sank um 5,7 Prozent, während es bei Kindern um 3,1 Prozent anstieg – diese erreichen damit einen neuen Höchststand und liegen erstmalig über denen der Jugendlichen. Heranwachsende weisen seit 2022 das geringste Viktimisierungsrisiko aller drei Altersgruppen auf.
Bei der Gewaltkriminalität gehen die Tatverdächtigenzahlen der Jugendlichen erstmals nach der Corona-Pandemie zurück (minus 8,7 Prozent). Bei Kindern und Heranwachsenden steigen sie dagegen weiter (plus 7,0 bzw. plus 3,1 Prozent). Dasselbe Muster zeigt sich bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen sowie Raubdelikten: Jugendliche verzeichnen Rückgänge (minus 9,1 bzw. minus 13,3 Prozent), während Kinder und Heranwachsende Anstiege aufweisen (Kinder: plus 6,2 bzw. plus 2,5 Prozent; Heranwachsende: plus 4,0 bzw. plus 9,2 Prozent). Bei Sachbeschädigungen fallen Kinder mit einem deutlichen Anstieg von 12,4 Prozent auf; Jugendliche und Heranwachsende zeigen keine Veränderungen.
An Schulen wurden im vergangenen Jahr 8.989 Straftaten registriert – ein Rückgang um 10,5 Prozent gegenüber 2024, das mit den höchsten Fallzahlen seit 2016 aufgefallen war. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Gewaltkriminalität aus: Die Zahl der tatverdächtigen Schulschüler sank hier um 44,7 Prozent.
Der vollständige Kinder- und Jugendbericht ist auf der Webseite der Bayerischen Polizei abrufbar unter dem Reiter Kinder-/Jugendberichte.
Dieser Bericht wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz ausschließlich aus offiziellen Angaben der Polizei oder Justizbehörden erstellt und redaktionell geprüft.
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