Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit hat die Polizei Bielefeld ihre Ermittlungsgruppe Cold Case aufgelöst. Die Spezialisten hatten 62 ungeklärte Tötungsdelikte neu bearbeitet und dabei moderne Ermittlungsmethoden angewandt.
Die Ermittlungsgruppe war im Oktober 2023 mit 13 Polizistinnen und Polizisten gestartet. Zuletzt arbeiteten noch drei Beamte in der Spezialeinheit, die sich ausschließlich ungeklärten Altfällen widmete. „Insgesamt 62 ungelöste Tötungsdelikte wurden geprüft, notwendige Ermittlungen eingeleitet und zum Großteil zu Ende geführt“, erklärte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Erster Kriminalhauptkommissar Markus Mertens.
Die Ermittler durchforsteten eine Vielzahl von Asservaten und „Regalwände voller Akten“. Besonders erfolgreich war die Arbeit in drei Fällen: In zwei Mordfällen aus den Jahren 1994 und 2003 konnten die Beamten tatverdächtige Personen ermitteln und vor Gericht bringen. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 2001 wurde aufgeklärt – dabei stellte sich heraus, dass gar kein Tötungsdelikt vorgelegen hatte, sondern ein Zusammenhang mit einem Langzeitvermisstenfall aus dem Jahr 1988 bestand.
In gut einem Dutzend weiterer Verfahren entdeckten die Ermittler bei der Untersuchung von Asservaten neue DNA-Spuren, die in die DNA-Analyse-Datei eingestellt wurden. „Da es dort bislang zu keinem Treffer kam, warten die Spuren darauf, dass die dazugehörigen Verursacher eines Tages gespeichelt und mit der DAD abgeglichen werden. Dann könnten erneut die Handschellen klicken“, so Mertens.
Die Ermittler hatten mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen: Aufbewahrungs- und Verjährungsfristen, Datenschutz, technische Probleme und verblasste Erinnerungen von Zeugen erschwerten die Arbeit. Mitunter waren Zeugen bereits altersbedingt verstorben. „Es war ein Marathon, der uns oft alles abverlangt hat. Jede noch so aussichtslose Spur wurde abschließend bearbeitet und jeder Stein mindestens einmal umgedreht“, fasste Mertens zusammen.
Die noch ausstehenden Laborergebnisse und neue Hinweise werden künftig vom Kriminalkommissariat 11 des Polizeipräsidiums Bielefeld bearbeitet, das für Tötungsdelikte, vermisste Personen und Brandermittlungen zuständig ist. „Bei entsprechend positiven Rückläufen der ausstehenden Laborergebnisse, könnte zeitnah erneuter Handlungsbedarf bestehen“, erläuterte Mertens.
Das LKA NRW hatte landesweit 1143 ungeklärte Altfälle analysiert und in 403 Fällen Chancen gesehen, dass neue Ermittlungsmethoden noch zu einer Überführung von Tätern führen könnten. Die Bielefelder Ermittlungsgruppe setzte sich aus Kollegen des Polizeipräsidiums Bielefeld und der ostwestfälischen Kreispolizeibehörden zusammen, darunter erfahrene Ermittler und pensionierte Kriminalbeamte als „Senior-Experts“.
Die Polizei hofft weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung. Möglicherweise haben sich Täter im Laufe der Jahre jemandem anvertraut oder stehen noch immer unter dem Einfluss ihrer Tat. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 11 unter der Telefonnummer 0521/545-0 entgegen.