Bonn analysiert Abwasser zur Drogenprävention: Kokain-Konsum erreicht Höchstwerte

(Symbolbild)

Die Stadt Bonn, die Polizei und das Universitätsklinikum untersuchen seit April 2024 systematisch das Abwasser auf Rückstände illegaler Drogen. Mit dem Projekt „AWARE“ (Abwasseranalyse zur Rauschgift-Evaluation) wollen die Partner Konsumtrends frühzeitig erkennen und ihre Präventionsmaßnahmen entsprechend anpassen.

„Die Ergebnisse der Abwasseruntersuchungen dienen uns als Frühwarnsystem für auffällige Entwicklungen“, erklärt Polizeipräsident Frank Hoever. Das System helfe dabei, gefährliche Substanzen schneller zu erkennen und polizeiliche Maßnahmen entsprechend auszurichten. Die Wache GABI arbeite eng an der offenen Szene und sei mit städtischen Ämtern sowie Hilfseinrichtungen vernetzt.

Bundesweit wird derzeit ein Anstieg der Kokaindelikte verzeichnet. Um „vor die Lage“ zu kommen, ergänzen die Partner ihre Erkenntnisse zum Drogenkonsum in Bonn um objektive Daten aus der Abwasseranalytik.

Die bisherigen Analysen zeigen alarmierende Ergebnisse: Kokain und Crack weisen die höchste Konzentration aller untersuchten Stoffgruppen auf. Sowohl in der täglichen Arbeit in der offenen Szene als auch bei den Nutzungszahlen der Drogentherapeutischen Ambulanz ist ein deutlicher Anstieg feststellbar. Eine Unterscheidung zwischen Kokain und Crack ist bei den Messungen bisher nicht möglich.

Bei Cannabis bewegten sich die Messwerte bis Herbst 2024 etwa auf dem Niveau wie vor der Teillegalisierung. Seitdem ist ein deutlicher Anstieg der Werte feststellbar. Auch bei Amphetamin lässt sich ein leichter Anstieg belegen. Für Crystal Meth und Ecstasy ergeben sich bislang unauffällige Befunde. Fentanyl ist im Bonner Abwasser bislang nicht nachweisbar.

„Das Frühwarnsystem ermöglicht es uns, in engem Austausch mit unseren Kooperationspartnern auf die Entwicklungen zu reagieren und unsere Maßnahmen zu überprüfen und anzupassen“, betont Yvonne Wilke vom Amt für Soziales und Wohnen. Vor allem in der Präventionsarbeit könnten Veränderungen beim Drogenkonsum aufgegriffen und direkt in die Informations- und Beratungsangebote integriert werden.

Das städtische Ordnungsamt profitiert ebenfalls von den Daten. „Die Daten aus AWARE helfen uns dabei, die Erkenntnisse, die wir auf der Straße gewinnen, einzuordnen“, sagt Sascha Hessenbruch vom Ordnungsamt. Das Amt verfolge den Konsum von Betäubungsmitteln konsequent und habe mit einer Präsenzstreife den ordnungsbehördlichen Kontrolldruck in der Innenstadt erhöht.

Professor Nico Mutters, Direktor des Instituts für Hygiene & Public Health des Universitätsklinikums, erklärt das Verfahren: „Abwassersurveillance ist vielen Menschen spätestens seit der COVID-19-Pandemie bekannt. Diese Art von Untersuchung kann aber auch genutzt werden, um Entwicklungen beim Substanzkonsum anonymisiert sichtbar zu machen.“ Dafür werden regelmäßig Abwasserproben aus den Bonner Kläranlagen auf Stoffwechselprodukte verschiedener Substanzen untersucht.

Die Projektpartner betonen ausdrücklich den rein präventiven Charakter und weisen darauf hin, dass die Untersuchungen keine repressiven Zwecke verfolgen. Anhand der Messergebnisse sind keine Rückschlüsse auf individuellen Konsum, Personengruppen oder spezifische Stadtteile möglich. Mengenangaben lassen grundsätzlich nicht auf die Konsumentenanzahl schließen.

Die gewonnenen Erkenntnisse sind stadtspezifisch zu betrachten und ermöglichen aufgrund unterschiedlicher Durchführungsmodelle bislang keinen validen Vergleich zu Messwerten anderer Städte. In Bonn werden die entnommenen Proben aus den vier Klärwerken zu einer Poolprobe zusammengefasst und dann untersucht.

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