Bundeswehr sichert sich langfristig Rüstungsgüter: Ministerium plant Vorhalteverträge mit Industrie

via dts Nachrichtenagentur

Das Bundesverteidigungsministerium will künftig gezielt Vorhalteverträge mit der Rüstungsindustrie abschließen. Damit soll die Ausstattung der Bundeswehr langfristig und auch im Verteidigungsfall gesichert werden. Das sagte Rüstungsstaatssekretär Jens Plötner dem „Spiegel“.

Das neue Modell soll über drei Phasen laufen. In der ersten Phase geht es um die „Erstausrüstung der Truppe: die Bestände auffüllen. Das machen wir gerade“, erläuterte Plötner. Danach folgt die Phase der Lagerproduktion, idealerweise direkt beim Hersteller. Dies ermöglicht es dem Rüstungsunternehmen, IT-Systeme kontinuierlich zu aktualisieren. Im dritten Schritt sollen Verträge greifen, die es im Verteidigungsfall ermöglichen, vorgehaltene Produktionskapazitäten schnell hochzufahren. „Hier stehe jetzt auch die Industrie in der Verantwortung“, betonte der Staatssekretär.

Das Modell ist zunächst für Munition und Drohnen vorgesehen. Das Verteidigungsministerium prüft jedoch, ob sich dieser Ansatz auch auf größere Waffensysteme wie Schützenpanzer übertragen lässt. „Wir müssen über einen längeren Zeitraum die Kapazitäten sicherstellen. Wir müssen flexibel bleiben, etwa wenn sich der Mix aus bemannten und unbemannten Systemen ändert“, sagte Plötner. Besonders wichtig ist dem Ministerium, nicht in die Fehler der Vergangenheit zurückzufallen: „Vor allem dürfe man nie wieder in die Situation kommen, dass die Industrie eine bestimmte Zahl von gepanzerten Fahrzeugen produziere und dann die Produktionsanlagen weitgehend abbaut.“

Auf die Frage, warum die Aufstockung der Bestände nicht schneller vorangeht, räumte Plötner ein: „Ein Waffensystem, das wir heute bestellen, nicht übermorgen auf dem Hof steht. Das läuft nicht so wie bei Ikea.“ Grund dafür ist die schrumpfende deutsche Rüstungsindustrie. Seit Ende der Achtzigerjahre ist sie um zwei Drittel geschrumpft. „Diese industrielle Basis wieder auszubauen, das geht nicht über Nacht“, sagte der Staatssekretär. Allerdings gibt es auch eine positive Nachricht: Die Bundeswehr kann noch in diesem Jahr mit einer ganzen Reihe größerer Auslieferungen rechnen.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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