Deutsche Wirtschaft wächst im zweiten Quartal stärker als erwartet

via dts Nachrichtenagentur

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 stärker gewachsen als zunächst berechnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag mitteilte. Damit fiel der Anstieg um 0,1 Prozentpunkte kräftiger aus als in der vorläufigen Schätzung von Ende Juli.

„Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort“, sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. „Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück.“

Für die nach oben korrigierten Zahlen verantwortlich war ein deutlich besseres wirtschaftliches Gesamtbild als zur ursprünglichen Meldung. So entwickelten sich die Umsätze im Groß- und Einzelhandel deutlich positiver als erwartet. Zugleich wurden die Exporte aufgrund neu vorliegender Informationen zum Warenhandel im Juni 2026 merklich nach oben revidiert.

Der Außenhandel trieb die Konjunktur an. Deutschland exportierte im zweiten Quartal 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im ersten Quartal. Besonders die Warenausfuhren zogen an und stiegen um 2,6 Prozent, während die Dienstleistungsexporte unverändert blieben. Bei den Importen zeigte sich ein ähnliches Muster: Die Warenimporte nahmen deutlich um 2,1 Prozent zu, die Dienstleistungsimporte nur moderat um 0,3 Prozent. Insgesamt wurden 1,5 Prozent mehr Güter importiert als im Vorquartal.

Andere Konjunkturmotoren zeigten sich gedämpfter. Die Bruttoanlageinvestitionen sanken leicht um 0,2 Prozent. Besonders die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge gingen deutlich um 1,4 Prozent zurück. Die Bauinvestitionen stiegen zwar um 0,1 Prozent, ein stärkerer Aufschwung nach dem schwachen Jahresbeginn blieb aber aus, der auch durch ungewöhnlich kalte Witterung geprägt war. Die Konsumausgaben entwickelten sich verhalten mit nur 0,1 Prozent Wachstum, sowohl bei privaten als auch staatlichen Ausgaben.

Nach Branchen betrachtet stieg die Bruttowertschöpfung insgesamt um 0,4 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe war der Wachstumstreiber und steigerte seine Wertschöpfung um 0,9 Prozent. Starke Zuwächse gab es besonders in der Herstellung von chemischen Erzeugnissen und elektrischen Ausrüstungen. Rückgänge verzeichneten hingegen die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln sowie die Reparatur und Installation von Maschinen.

Im Baugewerbe stagnierte die wirtschaftliche Leistung mit minus 0,1 Prozent, schwächte sich aber deutlich von früheren Rückgängen ab. Beinahe alle Dienstleistungsbereiche konnten zulegen. Besonders deutliche Zuwächse erzielte Information und Kommunikation mit plus 0,6 Prozent, ebenso das Grundstücks- und Wohnungswesen sowie die Öffentlichen Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Lediglich die Finanz- und Versicherungsdienstleister mussten mit minus 0,7 Prozent einen Rückgang hinnehmen.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal war das BIP um 1,0 Prozent höher. Der Außenhandel zeigte sich hier deutlich stärker. Die preisbereinigten Exporte wuchsen um 3,7 Prozent. Die Warenexporte legten sogar um 5,0 Prozent zu, insbesondere durch höhere Ausfuhren von chemischen Erzeugnissen, Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen sowie Produkten des sonstigen Fahrzeugbaus. Der Warenhandel in die Europäische Union legte besonders zu. Die Dienstleistungsexporte sanken dagegen leicht um 0,1 Prozent.

Die preisbereinigten Importe stiegen zum Vorjahresquartal um 2,5 Prozent. Die Warenimporte nahmen deutlich um 4,2 Prozent zu, getrieben durch höhere Einfuhren von pharmazeutischen Erzeugnissen, Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen sowie Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Besonders die Warenimporte aus den USA, China und der EU stiegen. Die Dienstleistungsimporte gingen dagegen um 1,2 Prozent zurück, vor allem wegen niedrigerer Importe von Transportdienstleistungen.

Bei den Investitionen im Jahresvergleich zeigten sich unterschiedliche Tendenzen. Die Investitionen in Ausrüstungen nahmen um 1,1 Prozent zu, angetrieben durch merklich gestiegene staatliche Investitionen inklusive Verteidigungsausgaben. Die Bauinvestitionen sanken dagegen deutlich um 1,5 Prozent, hauptsächlich wegen stark gestiegener Preise.

Die Konsumausgaben wuchsen im Jahresvergleich um 1,0 Prozent, zeigten aber eine deutliche Zweiteilung. Der private Konsum stieg nur um 0,1 Prozent, während der Staatskonsum mit plus 3,0 Prozent deutlich anzog. Ursache waren höhere Ausgaben des Bundes sowie der Sozialversicherung, die ihre sozialen Sachleistungen besonders für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung erhöhte.

Die Bruttowertschöpfung insgesamt stieg im Jahresvergleich um 1,1 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe konnte seine Wertschöpfung ebenfalls um 1,1 Prozent steigern und verzeichnete damit erstmals seit dem ersten Quartal 2023 wieder einen Anstieg zum Vorjahr. Besonders Betriebe im sonstigen Fahrzeugbau und in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen verzeichneten Umsatzzuwächse. Die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mussten hingegen Rückgänge hinnehmen.

Im Baugewerbe sank die Bruttowertschöpfung im Jahresvergleich um 1,6 Prozent. Das Ausbaugewerbe verzeichnete erneut deutliche Produktionsrückgänge, während der Tiefbau die Wertschöpfung merklich steigerte. In den Dienstleistungsbereichen konnte die Branche zulegen. Besonders deutlich waren die Zuwächse bei Information und Kommunikation mit plus 3,9 Prozent sowie bei den Öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit mit plus 2,1 Prozent. Die Unternehmensdienstleister und Finanz- und Versicherungsdienstleister verzeichneten mit jeweils plus 0,3 Prozent kaum Veränderungen.

Die Wirtschaftsleistung wurde von rund 45,7 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 212.000 Personen oder 0,5 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2025. Dabei ging die Erwerbstätigkeit in den Dienstleistungsbereichen erstmals seit der Coronakrise wieder zurück. Im Verarbeitenden Gewerbe und Baugewerbe waren deutlich weniger Personen erwerbstätig als im Vorjahresquartal.

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je erwerbstätiger Person blieben nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit im Jahresvergleich unverändert. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen, also das Produkt aus gesunkener Erwerbstätigenzahl und unveränderten geleisteten Stunden, sank um 0,5 Prozent.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde, nahm gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 Prozent zu. Je Erwerbstätigen gerechnet war sie ebenfalls um 1,5 Prozent höher.

In jeweiligen Preisen war das BIP um 3,8 Prozent und das Bruttonationaleinkommen um 4,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen wuchs um 4,3 Prozent. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nahmen mit plus 5,5 Prozent so stark zu wie zuletzt im zweiten Quartal 2023. Das Arbeitnehmerentgelt erhöhte sich mit plus 3,9 Prozent im gleichen Maße wie im Vorquartal. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen um 4,4 Prozent. Netto erhöhten sich die gesamten Löhne und Gehälter mit plus 4,7 Prozent sogar noch stärker.

Der private Konsum in jeweiligen Preisen nahm mit plus 2,9 Prozent etwas schwächer zu als das Einkommen der Haushalte mit plus 3,1 Prozent. Die Sparquote lag mit 9,6 Prozent leicht über dem Niveau des Vorjahresquartals mit 9,5 Prozent.

Im europäischen Vergleich hinkte Deutschland hinterher. In der EU insgesamt war die Wirtschaftsentwicklung im Vergleich zum Vorquartal mit plus 0,5 Prozent etwas stärker als in Deutschland mit plus 0,3 Prozent. Von den anderen großen EU-Mitgliedstaaten verzeichnete Spanien mit plus 0,7 Prozent das stärkste Wachstum. Frankreich und Italien stiegen mit jeweils plus 0,2 Prozent etwas schwächer als Deutschland. In den USA fiel das BIP mit plus 0,4 Prozent deutlich höher aus.

Im preisbereinigten Jahresvergleich nahm die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 1,0 Prozent zu und lag damit etwas unter der Entwicklung in der EU insgesamt mit plus 1,2 Prozent.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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