Erdbeben in Venezuela: Todeszahl steigt auf über 1.400, mehr als 50.000 Menschen vermisst

via dts Nachrichtenagentur

Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela vom Mittwoch ist die Bilanz der Katastrophe verheerend: Die Zahl der Todesopfer ist auf mehr als 1.400 gestiegen, wie die Behörden am Samstag mitteilten. Gleichzeitig werden mehr als 50.000 Menschen vermisst. Internationale Rettungsteams unterstützen die Suche nach Überlebenden, doch zerstörte Infrastruktur und schwierige Bedingungen behindern die Arbeiten erheblich.

Besonders verheerend hat es den Küstenstaat La Guaira nahe der Hauptstadt Caracas getroffen. Die beiden Erdbeben mit den Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten das Land am Mittwochabend in kurzer zeitlicher Abfolge und brachten zahlreiche Wohngebäude zum Einsturz. Inzwischen sind mehr als 14.000 Einsatzkräfte in der Region tätig, um Such- und Rettungsarbeiten zu koordinieren, medizinische Versorgung bereitzustellen und Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten. Auch die Bundeswehr ist seit Freitag mit mehreren Transportmaschinen vor Ort und hat neben Hilfsgütern auch mehrere Suchhunde mitgebracht.

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Rettungseinsatz als außerordentlich komplex. Ein UN-Nothilfekoordinator warnte, dass die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigen könnte. Nachbeben und einsturzgefährdete Gebäude erschweren die Bergungsarbeiten zusätzlich. Die Chancen, noch Überlebende zu retten, gelten als äußerst gering – vielen Orten konzentrieren sich die Teams mittlerweile auf die Bergung von Leichen.

Von der Bevölkerung wird unterdessen heftige Kritik an den Rettungsmaßnahmen laut. Angehörige und Freiwillige berichten von erheblichen Verzögerungen bei der staatlichen Hilfe. In vielen betroffenen Vierteln versuchen Anwohner nach eigenen Angaben weiterhin mit bloßen Händen oder einfachen Werkzeugen, Verschüttete zu retten, da schwere Bergungsmaschinen fehlen. Auch in Caracas nahm die Kritik an der Regierung zu, als geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodriguez ein zerstörtes Stadtviertel besuchte – zahlreiche Anwohner protestierten lautstark gegen das aus ihrer Sicht unzureichende Krisenmanagement.

Die Regierung hingegen betont ihre Erfolge: Rund 60 Prozent der Stromversorgung hätten in den besonders betroffenen Gebieten wiederhergestellt werden können, erklärte Rodriguez. Oberste Priorität bleibe die Rettung von Menschen, die sich möglicherweise noch unter den Trümmern befinden. Innenminister Diosdado Cabello kündigte an, den Zugang zur besonders schwer betroffenen Region La Guaira vorübergehend einzuschränken – damit sollen Rettungseinsätze nicht behindert und epidemiologische Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Die Erdbeben gelten als die schwerste Naturkatastrophe in Venezuela seit mehr als einem Jahrhundert. Das Land befindet sich bereits seit Jahren in einer tiefen wirtschaftlichen, politischen und humanitären Krise, die das Gesundheitswesen und andere öffentliche Dienstleistungen erheblich geschwächt hat.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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