Bei einem Fernfahrerstammtisch der Polizeidirektion Lüneburg stellte sich heraus, dass sämtliche zur Prüfung vorgelegten Zurrgurte nicht mehr verwendet werden durften. Der internationale Sachverständige Wolfgang Schlobohm demonstrierte am Mittwochabend an der Rastanlage Ostetal (Süd) an der A1 vor 22 Teilnehmern die häufigsten Mängel bei der Ladungssicherung.
Schlobohm, CEO von GWS Schlobohm und Experte für Ladungs- und Transportsicherheit, ließ zu Beginn seines Vortrags mehrere Ratschen im Kreis herumreichen. Die Fernfahrer sollten prüfen, welche noch verwendbar und welche ablegereif waren. Das Ergebnis war ernüchternd: Keine einzige Ratsche durfte noch genutzt werden. CE-Zeichen auf dem Etikett, falsche Angaben, eingerissene Gurte oder verformte Ratschen – alle Zurrgurte wiesen Mängel auf.
Der Sachverständige erklärte die wichtigsten Regeln für den Umgang mit Zurrgurten: Nur geprüfte und einsatzfähige Gurte dürfen verwendet werden, sie müssen lesbar gekennzeichnet und mit Etiketten versehen sein. Bei scharfen Kanten – bereits ab einem Kantenradius kleiner als der Querschnitt des Zurrmittels – sind Schutzüberzüge oder Kantenschoner Pflicht. Mechanische Hilfsmittel wie Rohre oder Kanthölzer zum Vorspannen sind verboten.
Zurrgurte müssen mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person geprüft werden. Einschnitte an der Webkante größer als 10 Prozent, Etiketten in falschen Farben (nur blau, grün oder braun sind erlaubt), CE-Zeichen oder unleserliche beziehungsweise fehlende Etiketten führen zur Ablegereife.
Besonders eindrucksvoll waren Schlobohms Negativbeispiele aus der Praxis: Ein Rohr als Zurrpunkt, selbst zusammengenähte Zurrgurte oder wild geknotete Gurte. Er verdeutlichte das Problem der Dehnbarkeit – während eine normale Dehnung von maximal 7 Prozent üblich ist, können minderwertige Gurte bis zu 30 Prozent nachgeben. Bei einem 8-Meter-Standardzurrgurt bedeutet das eine Dehnung von 2,40 Meter – viel zu viel für eine verkehrssichere Ladungssicherung.
Die vielen Fragen und Diskussionen zeigten dem Moderatorenteam, dass das Thema sehr positiv angenommen wurde. Der nächste, bereits 232. Fernfahrerstammtisch findet am 1. Juli 2026 mit dem Thema „Technisches Hilfswerk (THW)“ wieder an der Rastanlage Ostetal Richtung Hamburg statt.