Die Zahl der Firmengründungen in Deutschland ist 2025 deutlich angewachsen. Wie aus einem noch unveröffentlichten Report der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervorgeht, über den die Rheinische Post berichtet, nahmen die Gründungen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20.000 auf gut 171.000 zu.
Allerdings zeigt sich dabei ein beunruhigendes Bild: 36 Prozent der Gründungsinteressierten wollen eine eigene Firma vor allem gründen, weil ihnen andere Erwerbsmöglichkeiten fehlen. Das ist der höchste Wert seit elf Jahren. DIHK-Präsident Peter Adrian warnt deshalb vor falschen Hoffnungen: „Unser Report zeigt zwar ein steigendes Gründungsinteresse, aber keinen breiten unternehmerischen Aufbruch. Das passt leider zur weitgehend stagnierenden Wirtschaftsentwicklung.“ Fast vier von zehn Interessierten gründen demnach in erster Linie, weil sie angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Transformation in vielen Branchen um ihren Arbeitsplatz fürchten. Die Gründung sei daher oft „eher eine Ausweichstrategie als der feste Wunsch, als Unternehmerin oder Unternehmer neue Marktchancen zu erschließen“.
Zum historischen Kontext: Zwischen 2010 und 2020 lagen die Gründungszahlen deutlich höher – durchschnittlich etwa 100.000 Gründungen pro Jahr.
Grundlage des DIHK-Reports sind Erfahrungsberichte von rund 350 Existenzgründungsberatern aus den 79 Industrie- und Handelskammern sowie Auswertungen zum IHK-Gründungsservice. Die Befragung der Experten fand im Frühjahr 2026 statt. Insgesamt basiert der Report auf rund 200.000 Kontakten mit angehenden Unternehmern aus Einstiegsgesprächen, Beratungen, Gründungsveranstaltungen und Gründertagen.
Bei den Beratungsgesprächen beobachten die IHK-Berater einen Wandel: Nicht nur der Wunsch nach unternehmerischer Selbstständigkeit spielt eine Rolle, sondern zunehmend auch die Sorge um die eigene berufliche Zukunft. „Das ist ein zentrales Ergebnis des DIHK-Reports Unternehmensgründung 2026“, erklärte die Kammer.
Gleichzeitig zeigen sich bei vielen Geschäftskonzepten Schwachstellen. IHK-Berater beobachten Defizite insbesondere bei der Finanzierung und kaufmännischen Planung. Häufig sind es auch die komplizierte Bürokratie und das Steuerrecht, die Gründer vor Hürden stellen.
Dementsprechend deutlich sind die Wünsche der Gründer: 73 Prozent wünschen sich einfachere Regeln – dieses Thema liegt mit großem Abstand auf Platz eins. Auf Platz zwei folgt ein einfacheres Steuerrecht, das sich 61 Prozent der Gründer wünschen.
Autor: dts Nachrichtenagentur