Die Immobilienpreise in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 insgesamt gestiegen, entwickeln sich aber je nach Immobilientyp völlig unterschiedlich. Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) kletterte um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal nach oben. Zum ersten Quartal 2026 gab es allerdings einen minimalen Rückgang um 0,1 Prozent.
Hinter diesem Gesamtanstieg stecken sehr unterschiedliche Entwicklungen: Wohnimmobilien legten im Jahresvergleich um 1,9 Prozent zu, während Büroimmobilien um 1,2 Prozent und Einzelhandelsimmobilien um 0,2 Prozent billiger wurden. Dies ist erstmals seit anderthalb Jahren wieder ein so differenziertes Bild am Immobilienmarkt.
Bei den Wohnimmobilien waren Eigentumswohnungen die stärksten Preistreiber mit einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025. Eigenheime verteuerten sich um 2,0 Prozent, Mehrfamilienhäuser um 1,6 Prozent. Im Quartalvergleich zeigten sich die Wohnpreise mit Zuwächsen zwischen 0,3 und 0,5 Prozent auf stabilen Niveaus.
VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt erklärt die Unterschiede damit, dass der Gewerbeimmobilienmarkt stärker auf geopolitische Entwicklungen, gestiegene Inflationserwartungen und die daraus folgende Zinsentwicklung reagiert als der Wohnimmobilienmarkt. Während Büro- und Handelsimmobilien unter schwächerer Konjunktur leiden, halte der anhaltende Wohnungsmangel die Preise für Wohnimmobilien noch oben.
Die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern sind bundesweit um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen – allerdings ein schwächeres Wachstum als in den vorherigen Quartalen. Weil die Mieten schneller steigen als die Immobilienpreise, erhöhten sich die Renditen bei Mehrfamilienhäusern um 1,5 Prozent.
In den Top-7-Städten fiel das Wohnpreiswachstum mit 2,1 Prozent leicht höher aus als im Bundesgebiet insgesamt. Hamburg führt mit 3,8 Prozent an, gefolgt von Köln (2,5 Prozent), Frankfurt und Düsseldorf (jeweils 2,4 Prozent) sowie München (2,3 Prozent). Berlin und Stuttgart hinken mit 1,6 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent hinterher. Im Vergleich zum ersten Quartal ist das Tempo deutlich gebremst: Damals schafften noch vier der Top-7-Städte Preissteigerungen von über 4,0 Prozent.
Bei den Neuvertragsmieten in den großen Städten zeigt sich ein völlig anderes Bild: Mit 1,5 Prozent liegen sie deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 3,2 Prozent. Düsseldorf führt mit 3,6 Prozent an, Berlin hinkt mit nur 0,6 Prozent Mietwachstum weiterhin hinterher. Die Renditen in diesen Ballungsräumen sanken um 0,7 Prozent.
Noch deutlicher als beim Wohnimmobilienmarkt sind die Probleme bei Gewerbeimmobilien: Büropreise gaben um 1,5 Prozent nach, Einzelhandelsimmobilien um 0,7 Prozent. Dies ist der erste Jahressicht-Rückgang nach fünf Quartalen. Die Mietentwicklung konnte das nicht stützen: Bei Büros stiegen die Neuvertragsmieten um 2,7 Prozent, bei Handelsimmobilien um 1,5 Prozent. Die Renditen zogen deshalb deutlich an – um 4,0 Prozent bei Büros und um 1,6 Prozent bei Handelsimmobilien.
Nach Einschätzung von Tolckmitt hängt die weitere Entwicklung davon ab, ob die zahlreichen geopolitischen Konflikte beruhigt werden und die Bundesregierung ihre angekündigte Reformagenda umsetzt. Beides könnte positive Auswirkungen auf die Konjunktur und damit auch auf den Gewerbeimmobilienmarkt haben.
Autor: dts Nachrichtenagentur