Bei einer Einreisekontrolle auf der Europabrücke in Kehl ist es in der Nacht zum Freitag zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen: Bundespolizisten mussten ihre Schusswaffen einsetzen, nachdem ein 21-jähriger französischer Autofahrer mehrfach auf Beamte zugefahren war. Der Mann wurde später auf französischem Staatsgebiet festgenommen.
Nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei Offenburg stellte sich der Ablauf folgendermaßen dar: Der Fahrer eines Renault Clio war kurz nach Mitternacht bei der Einreise aus Frankreich zunächst den Anhaltesignalen der Bundespolizei gefolgt. Als die Beamten Cannabis-Geruch aus dem Fahrzeug wahrnahmen und das Auto genauer kontrollieren wollten, gab der 21-Jährige plötzlich Gas und fuhr direkt auf die uniformierten Polizisten zu. Diese mussten zur Seite springen, um nicht erfasst zu werden.
Anschließend wendete der Clio-Fahrer und raste mit hoher Geschwindigkeit auf der Straßburger Straße zurück in Richtung Frankreich. Fünf Bundespolizisten versuchten, das Auto zu stoppen, indem sie über die Tramschienen auf die andere Straßenseite wechselten. Erneut missachtete der 21-Jährige die Anhaltezeichen und fuhr gezielt auf die Beamten zu. Zwei Bundespolizisten griffen daraufhin zur Dienstwaffe und gaben Schüsse in Richtung des Renault ab. Dabei wurde auch die Karosserie eines in der Nähe stehenden Fahrzeugs durch einen Schuss beschädigt.
Ein dritter Versuch, den Flüchtenden kurz vor der französischen Grenze zu stoppen, scheiterte ebenfalls – wieder musste ein Beamter zur Seite springen. Auf französischem Staatsgebiet entdeckten nacheilende Bundespolizisten den abgestellten Clio und beobachteten, wie zwei Männer zu Fuß flüchteten. Der mutmaßliche Fahrer konnte gestellt und festgenommen werden. Der 21-Jährige trug leichte Verletzungen davon – diese stammten jedoch nicht von den Schüssen der Polizei.
Die Staatsanwaltschaft Offenburg erwirkte gegen den französischen Staatsangehörigen einen europäischen Haftbefehl wegen versuchten Tötungsdelikts. Der Mann befindet sich derzeit in Frankreich in Gewahrsam. Bei dem zweiten Mann im Auto könnte es sich um einen 20-Jährigen handeln – ein entsprechendes Ausweisdokument wurde im Renault gefunden. Die Ermittlungen zu dem Mitfahrer dauern an, er konnte bisher nicht angetroffen werden.
Für die Spurensicherung wurde der Tatort am Freitagmorgen ab 8 Uhr abgesperrt. Sowohl der Tramverkehr als auch der Ausreiseverkehr auf der B28 in Richtung Frankreich mussten zeitweise eingestellt werden. Der Renault Clio wurde beschlagnahmt und abgeschleppt. Der Verkehr konnte später wieder freigegeben werden.