Kindeswohlgefährdungen erreichen neuen Rekord: 79.800 Fälle im Jahr 2025

via dts Nachrichtenagentur

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Deutschland ist erneut auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im Jahr 2025 stellten die Jugendämter bei rund 79.800 Kindern und Jugendlichen eine Gefährdung fest – das sind etwa 7.000 Fälle oder zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist bereits das vierte Mal in Folge, dass die Fallzahlen einen neuen Rekord erreichen.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlichte diese Zahlen am Freitag. Besonders bemerkenswert: Seit 2012, als die systematische Erfassung begann, haben sich die Fallzahlen mehr als verdoppelt. Damals lag die Zahl bei etwa 38.300 Fällen – ein Anstieg von 108 Prozent oder 41.500 zusätzlichen Fällen in 13 Jahren. Nur in zwei Jahren – 2017 und 2021 – gab es mit jeweils minus 0,1 beziehungsweise minus 1,0 Prozent einen leichten Rückgang.

Als Gründe für diesen Anstieg nennt Destatis mehrere Faktoren: Neben einer tatsächlichen Zunahme von Gefährdungsfällen könnten auch eine erhöhte Wachsamkeit und Anzeigebereitschaft zum Kinderschutz, bessere Zusammenarbeit und Fortbildung von Fachkräften sowie gesetzliche Änderungen eine Rolle spielen.

Die meisten gefährdeten Kinder lebten 2025 bei beiden Eltern zusammen oder bei einem alleinerziehenden Elternteil (40 beziehungsweise 37 Prozent). Weitere 14 Prozent wuchsen bei einem Elternteil mit neuem Partner auf, neun Prozent in Heimen, bei Verwandten oder an anderen Orten. Etwa die Hälfte der betroffenen Kinder (51 Prozent) war höchstens acht Jahre alt, etwa ein Viertel (26 Prozent) maximal vier Jahre. Das Durchschnittsalter lag bei 8,5 Jahren.

Bemerkenswert ist auch, dass 43 Prozent der gefährdeten Kinder bereits Kontakt zum Jugendhilfesystem hatten – sie erhielten also schon eine Leistung der Jugendhilfe. Bei etwa jedem vierten Fall (27 Prozent) war sogar bereits innerhalb desselben Jahres eine Meldung zu dem Kind eingegangen.

Bei der Art der Gefährdung dominierten 2025 Vernachlässigung (58 Prozent) und psychische Misshandlungen (38 Prozent). In 29 Prozent der Fälle fanden die Behörden Hinweise auf körperliche Misshandlungen, in fünf Prozent auf sexuelle Gewalt. Ein besorgnis erregender Trend: 25 Prozent der betroffenen Kinder wiesen nicht nur ein, sondern gleich mehrere dieser Gefährdungsarten auf – 2015 lag dieser Anteil erst bei 16 Prozent.

Im Jahresvergleich nahmen alle vier Gefährdungsarten zu. Das stärkste Wachstum verzeichneten Vernachlässigungen mit 3.950 zusätzlichen Meldungen und psychische Misshandlungen mit 3.250 mehr Fällen.

In 74 Prozent aller Fälle ging die Gefährdung von der Mutter oder dem Vater aus. In vier Prozent war es ein Stiefelternteil oder der neue Partner eines Elternteils, in fünf Prozent eine andere Person. In neun Prozent waren mehrere Personen beteiligt, ohne dass eine Hauptperson identifiziert werden konnte. In sieben Prozent blieb unklar, von wem die Gefährdung ausging.

Bei der Reaktion auf festgestellte Gefährdungen einigten sich die Jugendämter in 91 Prozent der Fälle auf Hilfe- oder Schutzmaßnahmen. In 18 Prozent der Kindeswohlgefährdungen riefen die Behörden das Familiengericht an – etwa dann, wenn Eltern nicht bereit oder fähig waren, die Gefahr selbst oder mit angebotenen Hilfen abzuwenden.

Bevor die Jugendämter zu ihren Einschätzungen kamen, prüften sie 2025 fast 268.300 Verdachtsfälle. Diese Gefährdungseinschätzungen nahmen sogar um zwölf Prozent zu und erreichten ebenfalls einen neuen Höchststand – ein noch stärkerer Anstieg als bei den bestätigten Gefährdungsfällen.

Die meisten Hinweise auf mögliche Kindeswohlgefährdungen stammten 2025 von Polizei und Justiz (30 Prozent) sowie aus der Bevölkerung – von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonymen Hinweisgebern (22 Prozent). Schulen und Kindertagesstätten meldeten 16 Prozent der Fälle, die Kinder-, Jugend- und Erziehungshilfe zwölf Prozent. Deutlich seltener kamen Hinweise direkt von den betroffenen Kindern (2 Prozent) oder ihren Eltern (7 Prozent).

Autor: dts Nachrichtenagentur

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