Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine ehrlichere und mutigere Debatte über die Zukunft der Rente in Deutschland gefordert. Die Menschen leisteten bereits seit Jahren einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme, dieser müsse jedoch politisch besser kommuniziert werden, sagte sie dem Nachrichtenmagazin Focus.
Merkel verwies darauf, dass die Deutschen seit 2005 jedes Jahr einen Beitrag zur Lösung des demografischen Problems leisteten. „Vielleicht wäre es hilfreich, wenn heute den Menschen auch mal gesagt würde: Schaut, ihr leistet eigentlich seit 2005 jedes Jahr einen Beitrag dazu, dass wir jedes Jahr das demografische Problem lösen“, erklärte die Altkanzlerin.
Die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre stelle eine enorme kollektive Anstrengung dar, betonte Merkel. Jeder Jahrgang arbeite einen Monat länger, in Zukunft sogar zwei. Wer 2029 in Rente gehe, habe im Vergleich zu 2005 zwei Lebensjahre mehr gearbeitet. „Das ist für manche Menschen, die auch körperlich schwere Arbeit machen, ein Beitrag“, sagte sie.
Gleichzeitig forderte Merkel die aktuelle Politik auf, rechtzeitig neue Konzepte für die Zeit nach dem Auslaufen der aktuellen Regelungen vorzulegen. „Wenn man sagt: Das haben wir hingekriegt, aber nach 2029 haben wir keine neue Regelung und das demografische Problem bleibt, wir müssen eine Anschlusslösung finden – dann, glaube ich, kann man viele Menschen davon überzeugen“, erklärte sie. Die allermeisten Bürger wollten schließlich, dass auch ihre Kinder und Enkel eine verlässliche Alterssicherung haben.
Rückblickend verteidigte Merkel die Entscheidung zur Rente mit 67 gegen den Vorwurf, es habe sich dabei lediglich um eine moderierende Politik gehandelt. „Die Rente mit 67 war keine Moderation“, stellte sie klar. Entscheidend für die Akzeptanz solcher Reformen sei die klare Benennung der Ziele. „Menschen müssen wissen, mit welchem Ziel mache ich etwas“, so Merkel.
Es sei die Kunst der Politik, nicht eine Gruppe gegen eine andere auszuspielen, betonte die Altkanzlerin. „Ich muss sagen: Wozu mache ich es? Wer leistet heute schon welchen Beitrag? Wer muss in Zukunft welchen Beitrag leisten?“ Nur durch diese Transparenz ließen sich notwendige Anpassungen in einer sich verändernden Welt durchsetzen.