Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt geht mit einer neuen Sonderkommission gegen rechtsextremistische Jugendgruppierungen vor. Bei der ersten größeren Aktion wurde am Montag in Gardelegen ein 34-jähriger Deutscher festgenommen, der über soziale Medien versucht haben soll, ein Tötungsdelikt in Auftrag zu geben.
Am 10. Juni 2026 durchsuchten Beamte des LKA Bei den Sonderkommission „JuRex“ die Wohnung des Beschuldigten in Gardelegen. Dem Mann wird zur Last gelegt, über soziale Medien versucht zu haben, einen Mord in Auftrag zu geben. Nach der Durchsuchung wurde er dem zuständigen Haftrichter am Amtsgericht Gardelegen vorgeführt. Dieser folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft Halle und ordnete Untersuchungshaft an. Der 34-Jährige wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.
Gegen den Beschuldigten laufen darüber hinaus weitere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verbreitens verfassungsfeindlicher Inhalte in sozialen Medien. Dabei soll er vielfach auf Jugendliche eingewirkt haben, insbesondere in Netzwerken, in denen sich regelmäßig Jugendliche bewegen. Die weiteren Ermittlungen dauern an.
Die Sonderkommission „JuRex“ bündelt seit Anfang Mai 2026 landesweit sowohl repressive als auch präventive Maßnahmen, um Radikalisierungsprozessen und der zunehmenden Gewaltbereitschaft junger Menschen entgegenzutreten. Dies gilt sowohl für organisierte Gruppenaktivitäten als auch für Straftaten einzelner Gruppenmitglieder. Durch die enge Zusammenarbeit mit Behörden, Bildungseinrichtungen sowie Akteuren der Sozialarbeit sollen Radikalisierungsprozesse frühzeitig erkannt und geeignete Maßnahmen entwickelt werden.
Sicherheitsbehörden stellen bundesweit einen zunehmenden Zulauf zu rechtsextremistischen Jugendgruppierungen fest. Hierzu zählen auch Gruppierungen aus Sachsen-Anhalt wie „Jung & Stark“ (JS), „Deutsche Jugend voran“ (DJV) sowie „Deutsche Jugend zuerst Halle (Saale)“ (DJZ). Diese treten vermehrt bei öffentlichen Veranstaltungen in Erscheinung und verfügen teilweise über ein erhebliches Mobilisierungspotential. In einzelnen Fällen konnten Mitglieder dieser Gruppierungen mit politisch motivierten Gewalttaten in Verbindung gebracht werden.
Die Mitglieder dieser Gruppierungen sind überwiegend jung, vielfach minderjährig, und bislang nur vereinzelt oder noch gar nicht im Bereich der politisch motivierten Kriminalität polizeilich in Erscheinung getreten. Inhaltlich greifen die Gruppierungen bekannte rechtsextremistische Feindbilder auf. Einer der Schwerpunkte ihrer Agitation richtet sich gegen die LGBTQ+-Community. Die Vernetzung erfolgt überwiegend über digitale Kommunikationsplattformen, wo rechtsextremistische Inhalte verbreitet sowie Hass und Hetze propagiert werden. Aus diesen virtuellen Netzwerken entwickeln sich zunehmend reale Zusammenkünfte im öffentlichen Raum, in deren Zusammenhang es bereits zu politisch motivierten Gewaltstraftaten kam.
Der Pressesprecher des LKA erklärte: „Die SoKo ‚JuRex‘ wird konsequent Straftaten aus diesem Phänomenbereich verfolgen und alle zur Verfügung stehenden rechtlichen und operativen Möglichkeiten ausschöpfen, um Tatverdächtige zu identifizieren und Straftaten aufzuklären.“