Bei Durchsuchungen in Berlin haben Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoll eine systematische Ausbeutung indischer Spezialitätenköche aufgedeckt. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin wurden gestern früh drei Durchsuchungsbeschlüsse in Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg vollstreckt. Die Ermittlungen richten sich gegen acht Beschuldigte im Alter von 36 bis 66 Jahren wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der Arbeitsausbeutung.
An dem Verbundeinsatz waren die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Arbeitsausbeutung (GEA) des Hauptzollamtes Berlin und des Landeskriminalamtes Berlin sowie Mitarbeitende des Ordnungsamtes, der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht und der Bau- und Wohnungsaufsicht beteiligt. Die Maßnahmen betrafen eine Arbeitnehmerunterkunft, die gleichzeitig eine Küche darstellt und vorgekochte Speisen an Restaurants ausliefert, sowie zwei Wohnanschriften von Beschuldigten.
Bei den Durchsuchungen wurden Beweismittel sichergestellt, insbesondere zwei Mobiltelefone und Geschäftsunterlagen wie Lohnjournale von Arbeitnehmern. In der Arbeitnehmerunterkunft trafen die Polizisten vier Arbeitnehmer an, die zu ihren Arbeitsbedingungen befragt und über bestehende Hilfs- und Unterstützungsangebote informiert wurden.
Dabei stellte die Veterinär- und Lebensmittelaufsicht ernsthafte hygienische Mängel fest und entsorgte Lebensmittel, darunter Fleisch, Gemüse sowie mehrere Kübel bereits zubereiteter Soßen. Darüber hinaus wurden erhebliche Missstände beim Brandschutz festgestellt – insbesondere waren Flucht- und Rettungswege nicht frei und sicher begehbar. Aufgrund der Mängel ordnete das zuständige Bauamt die sofortige Schließung des Objekts an.
Die Gemeinsame Ermittlungsgruppe führt seit Juni 2023 ein Ermittlungsverfahren gegen eine achtköpfige Tätergruppierung. Bereits im Frühjahr 2024 waren in diesem Verfahren zahlreiche Durchsuchungsbeschlüsse in Berlin und Brandenburg vollstreckt worden. Den gestrigen Maßnahmen waren neue Ermittlungserkenntnisse vorausgegangen, wonach weiterhin indische Spezialitätenköche unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt worden sein sollen. Nach bisherigem Ermittlungsstand haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Betroffenen seit dem Frühjahr 2024 sogar weiter verschlechtert.
Die Beschuldigten stehen im Verdacht, seit mindestens 2021 arbeitsteilig und gemeinschaftlich handelnd gezielt indische Spezialitätenköche angeworben und diese nach ihrer Einreise nach Deutschland über Jahre hinweg ausgebeutet zu haben. Nach den Ermittlungen sollen den Betroffenen nach ihrer Ankunft teilweise die Ausweisdokumente abgenommen worden sein, um Abhängigkeiten zu schaffen und aufrechtzuerhalten.
Darüber hinaus sollen die Geschädigten in Berliner Restaurants regelmäßig über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus bis zu 13 Stunden täglich gearbeitet haben. Der gezahlte Lohn habe dabei teilweise bis zu 75 Prozent unter dem gesetzlichen Mindestlohn gelegen; in einzelnen Fällen sollen Lohnzahlungen vollständig ausgeblieben sein. Zudem sollen die überwiegend aus Indien stammenden Arbeitnehmer unter menschenunwürdigen Bedingungen in überbelegten Unterkünften oder in Kellerräumen von Restaurants untergebracht worden sein.
Nach bisherigem Ermittlungsstand bedienten sich die Beschuldigten zur Verschleierung der Tatbegehung eines konspirativen Geflechts verschiedener Betreibergesellschaften. Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass Sozialversicherungsbeiträge in erheblichem Umfang nicht ordnungsgemäß abgeführt wurden. Die Ermittlungen dauern an.