Rente mit 70 könnte Deutschlands Wirtschaft um 106 Milliarden Euro ankurbeln

via dts Nachrichtenagentur

Ein späterer Renteneintritt mit 70 Jahren könnte die deutsche Wirtschaftsleistung jährlich um bis zu 106 Milliarden Euro steigern. Das zeigt eine Analyse des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten. Die Berechnung geht davon aus, dass ältere Menschen gesundheitlich in der Lage sind, entsprechend länger zu arbeiten.

Die Studie kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt: Die Alterssicherungskommission hat gerade ihre Reformempfehlungen vorgelegt. Sie schlägt vor, das Renteneintrittsalter künftig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Nach derzeitigen Annahmen würde die Regelaltersgrenze dadurch um rund sechs Monate pro Jahrzehnt steigen. Die Kommission betont gleichzeitig die Bedeutung von Prävention und Rehabilitation, damit Menschen tatsächlich länger arbeiten können.

VFA-Präsident Han Steutel kritisiert, dass dieser Aspekt in der Rentendebatte zu kurz kommt: „Wir müssen mehr über die Voraussetzung für ein längeres Erwerbsleben sprechen: Gesundheit. Wer länger arbeiten soll, muss auch länger gesund arbeiten können.“

Die Modellrechnung geht von einer langfristigen Regelaltersgrenze von 70 Jahren aus. Dem Szenario nach könnten dann rund 1,6 Millionen Menschen im Alter zwischen 66 und 69 Jahren zusätzlich arbeiten. Das entspricht knapp 800.000 Vollzeitstellen. Unter Annahme einer durchschnittlichen gesamtwirtschaftlichen Produktivität würde die zusätzliche Arbeitsleistung das Bruttoinlandsprodukt rechnerisch um 2,4 Prozent oder eben jene 106 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen.

Für Staat und Sozialversicherungen entstünden Mehreinnahmen von mehr als 40 Milliarden Euro jährlich. Davon entfallen knapp 30 Milliarden Euro auf zusätzliche Sozialbeiträge. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass es sich um das maximale Potenzial handelt. Derzeit wird lediglich eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters diskutiert.

Steutel warnt: „Eine höhere Regelaltersgrenze allein ist noch keine Garantie für zusätzliche Erwerbstätigkeit.“ Das Potenzial entstehe erst, wenn Prävention, Rehabilitation und moderne Medizin dafür sorgen, dass Menschen im höheren Alter auch arbeitsfähig blieben.

Die Analyse zeigt zusätzliche Effekte auf: Könnte sich der gute Gesundheitszustand der 55- bis 65-Jährigen im Durchschnitt um vier Jahre länger erhalten, könnte das Bruttoinlandsprodukt um weitere 0,2 Prozent oder rund zehn Milliarden Euro pro Jahr steigen. Der Gesundheitszustand entscheide nicht nur darüber, ob Menschen länger arbeiten könnten, sondern auch, ob sie dies überhaupt wollten. Die Autoren verweisen zudem auf den Nutzen einer besseren Versorgung chronisch Kranker sowie höherer Impfquoten, um krankheitsbedingte Fehlzeiten zu verringern.

Steutel fordert deshalb, Renten- und Gesundheitspolitik stärker miteinander zu verzahnen: „Gesundheitspolitik ist in einer alternden Gesellschaft stets auch Wirtschaftspolitik.“ Jeder zusätzliche gesunde Erwerbsmonat helfe dem Arbeitsmarkt, den Sozialversicherungen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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