Rentenexperten kritisieren die von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) geplante Kürzung des Bundeszuschusses zur Rentenversicherung scharf. Sie warnen vor steigenden Beitragssätzen und einer unfairen Belastung der Versicherten.
„Rechnerisch würde eine Kürzung des Bundeszuschusses um vier Milliarden Euro eine Anhebung der Beitragssätze um 0,2 Prozentpunkte bedeuten“, sagte Franz Ruland dem „Spiegel“. Der langjährige Geschäftsführer des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger hält es jedoch für wahrscheinlicher, dass zunächst die aktuell bei mehr als 40 Milliarden Euro liegende Rücklage der Rentenversicherung abgeschmolzen werde.
Deutliche Kritik kommt auch vom Münchner Rentenexperten Axel Börsch-Supan, Direktor Emeritus des Münchner Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik. Er warnte vor einer Belastung der Solidargemeinschaft der Versicherten. Eine Kürzung des Bundeszuschusses sei nur angebracht, wenn der Bund im Gegenzug auch versicherungsfremde Leistungen abbaue. Aktuell sei aber „das Gegenteil der Fall, etwa wegen der im Dezember erweiterten Mütterrente“.
Börsch-Supan kritisierte zudem, dass die Koalition mit dem Vorhaben ihr ursprüngliches Ziel unterlaufe, die Abgabenquote zu senken. „Nichts davon passt zusammen, es fehlt eine Strategie“, so der Rentenexperte.