Führende SPD-Politiker haben das Plädoyer des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig, die Brandmauer zur AfD einzureißen, scharf zurückgewiesen. Albigs Vorstoß zur Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Partei stößt parteiintern auf entschiedenen Widerspruch.
Jochen Ott, SPD-Fraktionschef und designierter Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen, erklärte gegenüber der „Bild“: „Ich weiß nicht, was ihn da reitet. Alles daran ist falsch und verheerend. Für Sozialdemokraten kann es niemals eine Zusammenarbeit geben mit den ideologischen Nachfahren einer Partei, die uns verfolgt hat. Der Feind steht rechts.“ Ott verwies darauf, dass sowohl der Bundeskanzler als auch führende Christdemokraten diese Haltung teilten.
Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Fraktionschef Julian Barlen übte besonders scharfe Kritik an Albig: „Wer Lobbyist für Tabakkonzerne ist, hat offenbar kein Problem damit, für giftige Ideen zu werben.“ Sein Landesverband brauche „keine Ratschläge von jemandem, der die Politik vor Jahren verlassen hat, sondern eine stabile Regierung mit klarer Haltung“. Diese gebe es nur mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Barlen spielte mit seiner Kritik auf Albigs derzeitige Funktion als Lobbyist beim Tabakkonzern Philip Morris an, zu dem der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker 2023 wechselte. Albig hatte als Beispiel für eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern genannt, wo im September ein neuer Landtag gewählt wird und die AfD in Umfragen weit in Führung liegt.
Auch Steffen Krach, Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat für die Berlinwahl im September, widersprach Albigs Vorstoß vehement: „Die AfD steht im absoluten Widerspruch zu allem, wofür wir als SPD seit Jahrzehnten arbeiten. Sie ist in weiten Teilen rechtsextrem, macht Politik nur für Reiche, sie bekämpft die Rechte von Frauen und Arbeitnehmern, will unsere Demokratie zerstören und sie klebt an Putins Stiefel.“ Die Liste könne er endlos fortführen, das Ergebnis bleibe gleich: „Es gibt null gemeinsamen Nenner zwischen uns.“